Logistik
Spediteure klagen über gestiegene Lkw-Maut

Viele Unternehmer leiden unter der Wirtschaftskrise und versuchen zu sparen, wo es gerade geht. Dies bekommen auch die Spediteure zu spüren. Gleichzeitig hat die Bundesregierung im Januar die Lkw-Maut erhöht - ein harter Schlag für die Transporteure. Für manchen ist dies gar ein "Existenzvernichtungsprogramm."
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KÖLN. Eigentlich hat Jörg Mosolf alles richtig gemacht. Der geschäftsführende Gesellschafter der Autospedition Horst Mosolf im baden-württembergischen Kirchheim unter Teck hatte im September vergangenen Jahres alte Lastwagen aus seinem Fuhrpark durch so genannte Euro-5-Lkw ersetzt, eine umweltfreundliche und verbrauchsarme Brummi-Variante. Trotzdem hat Mosolf seit Jahresbeginn um sechs bis acht Prozent höhere Kosten zu tragen. Denn im Januar erhöhte die Regierung die Lkw-Maut - ein harter Schlag für viele Transporteure. "Das war ein sehr unglücklicher Zeitpunkt", sagt Mosolf. "Jeder wusste, dass wir in unserem Gewerbe mit steigenden Kosten und sinkenden Gütermengen zu kämpfen haben. Die Branche hat schon genug Probleme."

Nun muss er mit der Mehrbelastung fertig werden. "Letztlich müssen wir das alles einpreisen", sagt Mosolf. Das heißt: An die Kunden weiter geben. Zum Großteil ist dem Mittelständler das gelungen. Einige Kunden sperrten sich allerdings dagegen, Verträge nachzuverhandeln und die Maut-Mehrkosten zu übernehmen. Auch sie haben durch die Wirtschaftskrise finanzielle Probleme und wollen sparen, wo es geht. Mosolf konnte es sich nicht leisten, die höheren Kosten selbst zu tragen - und musste zähneknirschend auf einige Geschäfte verzichten.

Dieses Problem haben derzeit viele Spediteure. Einerseits können sie es sich nicht leisten, großzügige Rabatte zu vergeben. Andererseits sind sie auf jedes Geschäft angewiesen - und die Kunden wissen das. Ein Grund für manche Kunden, sich schlicht zu weigern, die Mehrkosten zu tragen. Und die sind nicht gerade gering. Um 2,8 Cent auf durchschnittlich 16,3 Cent pro Kilometer sind die Mautkosten gestiegen. Grundsätzlich gilt: Je mehr Achsen ein Lkw hat und je schlechter seine Schadstoffklasse ist, desto teurer wird es. "Wir nennen das ein Existenzvernichtungsprogramm", wettert Karlheinz Schmidt, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL). Nach seinen Berechnungen sind die Mautkosten durchschnittlich gar auf 18,34 Cent pro Kilometer gestiegen. "Selten ist in der deutschen Verkehrspolitik mit so vielen Halbwahrheiten gearbeitet worden, um der Öffentlichkeit die Mauterhöhung schmackhaft zu machen", sagt Schmidt.

Auch Andreas Voegele, Geschäftsführer der Münchener Unternehmensberatung Con Moto, ist kein Freund der Mauterhöhung. "Kleine und mittelständische Unternehmen hat sie besonders schwer getroffen", sagt er. "Die Maut sollte flächendeckend wieder gesenkt werden." Für die angeschlagenen Logistik-Dienstleister hat er bis dahin nur einen Rat: "Sie sollten Zusatzkosten wie die Maut so transparent wie möglich an ihre Kunden weitergeben." Zum Beispiel indem sie separate Rechnungen schreiben, die den Teil der Gesamtkosten ausweisen, den die Logistiker nicht maßgeblich beeinflussen können. So soll für die Kunden deutlich werden, dass die Dienstleister ihnen keine Preiserhöhung aufbürden. Bei Kunden, die die Zwangslage der Logistiker ausnutzen und die Preise drücken wollen, hilft das freilich nicht.

Das musste auch Karlhubert Dischinger feststellen. "Wir haben die Maut schon immer separat ausgewiesen", sagt der Chef des Logistikunternehmens Karl Dischinger aus Kirchhofen bei Freiburg. "Die Erhöhung haben trotzdem nicht alle Kunden akzeptiert." Ebenso wie sein Kollege Mosolf musste er deshalb Transporte absagen. Seiner Erfahrung nach machen vor allem große Firmen Druck: "Je größer der Kunde, desto unpersönlicher läuft das Geschäft ab, und desto weniger Verständnis zeigt er für unsere Lage."

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