Logistikauftrag in Großbritannien
Post-Tochter droht Streik

Kurz nach Bekanntgabe ihres bisher größten Logistikauftrags im Ausland sieht sich die Deutsche Post in Großbritannien bereits mit der Gegenwehr der zuständigen Gewerkschaft konfrontiert. Sie will die Ausgliederung der Logistik für rund 600 englische Krankenhäuser verhindern. Politisch begibt sich die Post auf schwieriges Terrain.

agr / dih / ire LONDON / DÜSSELDORF. Das britische Gesundheitsministerium hat die Post-Tochter DHL mit dem Einkauf und der Logistik der Krankenhäuser beauftragt. Jetzt protestiert die zuständige Gewerkschaft Unison heftig gegen das Vorhaben. Eine Gewerkschaftssprecherin bestätigte, dass wegen der geplanten Ausgliederung eine Urabstimmung über einen Streik laufe. Die Ergebnisse sollen bereits am kommenden Montag vorliegen.

Im Auftrag des britischen National Health Service (NHS) wird DHL künftig für die Beschaffung und Bereitstellung von zunächst 500 000 Produkten von der Babymilch bis zur Herzklappe, vom Reinigungsmittel bis zur OP-Ausstattung verantwortlich sein. Die Gesundheitsbehörde erhofft sich durch das Logistik-Know-how des „gelben Riesen“ Einsparungen von rund 1,4 Mrd. Euro.

Der Zehn-Jahres-Vertrag habe ein Umsatzvolumen von insgesamt 2,3 Milliarden Euro und sei damit einer der umfangreichsten Logistikverträge der Unternehmensgeschichte, berichtete die Post am Dienstag.

Post-Chef Klaus Zumwinkel wertete den Vertragabschluss als wichtigen Erfolg bei der Neuausrichtung des Unternehmens: „Unsere Strategie der Internationalisierung und der breiten Angebotspalette trägt eindrucksvolle Früchte“, sagte Zumwinkel. Nur Dank der Übernahme des britischen Logistikunternehmens Exel und der umfangreichen Erfahrung der Frachttochter DHL im Gesundheitssektor habe sich der Bonner Konzern bei der Ausschreibung des National Health Service gegen 65 Konkurrenten durchsetzen können.

Argwöhnisch beäugen hingegen britische Gewerkschaften, Parlamentarier und Bürgerinitiativen jedes Engagement privater Firmen, denn die Labour-Regierung war 1997 mit dem Versprechen angetreten, den NHS in Staatshand zu lassen. Entsprechend mahnten auch am gestrigen Dienstag Kritiker, die Vereinbarung mit DHL sei ein weiterer Schritt zur „schleichenden Privatisierung“ des größten Arbeitgebers in Europa.

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