Logistikbranche
Kühne+Nagel verschärft die Sparpläne

Der Logistikkonzern Kühne+Nagel bleibt vorsichtig. Noch immer lasse sich nicht voraussagen, wann mit einer wirtschaftlichen Erholung zu rechnen sei, erklärte Konzernchef Reinhard Lange bei der Vorlage des Abschlusses für das erste Quartal. Hier gab es eine freudige Überraschung.

HB/agr DÜSSELDORF. Der Schweizer Spediteur Kühne+Nagel sieht noch keine Anzeichen einer Erholung des Welthandels und will daher seine Sparpläne verschärfen. „Wir werden weiter Personal abbauen, um die Entwicklung der Volumen mit den Kosten in Einklang zu bringen“, sagte Finanzchef Gerard van Kesteren der Nachrichtenagentur Reuters. „Wir werden reduzieren wo es nötig ist, das heißt, überall außer im Verkauf.“ Konkrete Angaben machte er aber nicht.

Kühne+Nagel hatte angesichts der aufziehenden Rezession bereits einen Stellenabbau eingeleitet. Seit Oktober wurden rund 4000 Stellen abgebaut, sechs Prozent der Arbeitsplätze im Konzern. Damit habe der vom Industriellen Klaus-Michael Kühne kontrollierte Konzern den Einfluss der Wirtschaftsflaute auf das eigene Ergebnis abfedern können, sagte van Kesteren. Während der Umsatz im ersten Quartal um 21 Prozent auf 3,5 Mrd. Franken (2,3 Mrd. Euro) schrumpfte, ging der Gewinn lediglich um 17 Prozent auf 128 Mio. Franken (84,4 Mio. Euro) zurück. „Die Margen gerade in der Luftfracht, aber auch in der Seefracht sind sehr gut“, sagte Marco Strittmatter, Analyst der Zürcher Kantonalbank: „Die Kostenkontrolle zeigt offenbar Wirkung.“ An der Börse konnte die Aktie von Kühne+Nagel punkten.

Die Rezession hat bei Logistikunternehmen wie Kühne+Nagel, Deutsche Post oder US-Konzernen wie UPS und Fedex seit Ende des vergangenen Jahres Bremsspuren hinterlassen. Auch im laufenden Jahr dürfte das Geschäftsvolumen der Unternehmen leiden, die Konsumgüter etwa aus China in die westlichen Industriestaaten und Investitionsgüter in die umgekehrte Richtung transportieren. Die Welthandelsorganisation erwartet für 2009 einen Rückgang des Welthandels um neun Prozent.

Der Spediteur Kühne+Nagel, der selbst keine Container-Schiffe oder Frachtflugzeuge besitzt, profitierte im ersten Quartal 2009 noch davon, dass die Fracht-Raten sanken, dies aber nicht in vollem Umfang an die Kunden weitergereicht werden musste. Das aber kann das Unternehmen aus Schindellegi am Zürichsee wohl nicht aufrecht erhalten. „Die Margen in der See- und Luftfracht werden wir wohl im Gesamtjahr nicht auf dem Niveau des ersten Quartals halten können“, sagte van Kesteren. Der Volumenrückgang habe in der Seefracht nachgelassen, in der Luftfracht dagegen nicht. „Luftfracht bleibt ein Frühindikator des wirtschaftlichen Aufschwungs und den gibt es nicht“, so van Kesteren.

Trotz Krise zeigt sich Kühne Verwaltungsratschef und Mehrheitsaktionär Klaus-Michael Kühne, offen für Verstärkungen. Dabei lockt ihn vor allem die Deutsche Bahn-Tochter Schenker, einer der größten Anbieter im Bereich Straßentransport. „Der Landverkehr von DB Schenker ist eine Perle. Daran hätten wir konkret Interesse“, hatte er zumindest kürzlich der „Wirtschaftswoche“ erzählt. Eigentümer Bund will die Bahn aber bekanntlich als Logistikkonzern an die Börse bringen. Gegen diese Pläne laufen Spediteure wie Kühne Sturm, da sie neben der Deutschen Post einen weiteren „staatlichen“ Konkurrenten fürchten. Die Bahn sollte diese Milliardenerlöse „in Schienenwege investieren und so leistungsfähiger werden“, forderte Kühne. Der Schienengüterverkehr gilt als ausbaufähig.

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