Logistikbranche
Vorfahrt für die Riesen-Lkw

Die Logistikbranche schaut mit hohem Interesse auf den neuen „Aktionsplan Güterverkehr“, mit dem Verkehrsminister Ramsauer die Transportsicherheit erhöhen will – ohne „starre Regulierung“. Um die Straße als Transportweg Nummer eins zu entlasten, wird ein Feldversuch für Riesen-Lkws gestartet.
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BERLIN. Die Bundesregierung will den Logistikstandort stärken. Einen entsprechenden "Aktionsplan" stellte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) gestern in Berlin vor. Ziel sei es, Straße, Schiene und Wasserwege besser zu vernetzen, Verkehr klimafreundlich zu gestalten und die Arbeitsbedingungen im Transportgewerbe zu verbessern. Um die Straße als Transportweg Nummer eins zu entlasten, will Ramsauer einen Feldversuch für sogenannte Eurocombis oder Gigaliner starten. Das sind besonders lange Lkw - sie messen 25 statt der bisher üblichen 19 Meter und wiegen bis zu 40 Tonnen. "Ich will Mobilität ermöglichen und nicht verhindern", sagte Ramsauer.

"Aufgrund des prognostizierten Zuwachses im Verkehrsaufkommen muss die Straße als Hauptverkehrsträger effizienter werden", heißt es in dem Aktionsplan. Dazu sollen auch die Lang-Lkw beitragen. Da sich die von SPD und Grünen regierten Bundesländer gegen entsprechende Tests ausgesprochen haben und eine Verlagerung auf die Schiene fordern, plant Ramsauer jetzt einen "länderübergreifenden" und keinen "bundesweiten" Test. Ursprünglich sollten die Ergebnisse sogar "in den politischen Prozess Europas", einfließen, wie es in einem Strategiepapier heißt.

Eine Bund-Länder-Gruppe erarbeitet derzeit die Regeln für die Fahrer sowie Fahrzeuge und legt die Strecken fest. Der Versuch soll im Frühjahr 2011 starten und über mehrere Jahre laufen, damit sich die Investitionen der rund 500 interessierten Unternehmen rechnen.

Die Spediteure begrüßen den Versuch. Die Fahrzeuge seien sicher und nutzten die Straßen weniger ab, da die Last auf mehr Achsen verteilt würde. Die CO2-Emissionen sänken.

Die Bahngewerkschaft Transnet hingegen forderte, die Pläne nicht umzusetzen "und endlich mit der entschiedenen Förderung der Schiene zu beginnen". Ramsauer betonte, er wolle neben dem Test für lange Lkw auch einen Versuch für Güterzüge mit einer Länge von 750 Metern unternehmen. Ein üblicher Güterzug hat eine Länge von 500 Metern. Ab Dezember will die Deutsche Bahn AG probeweise einen 835 Meter langen Güterzug von Flensburg nach Dänemark fahren.

Die Sicherheit der Lieferketten hat nach den jüngsten Terrorwarnungen nun einen höheren Stellenwert im Aktionsplan. In ersten Entwürfen stand dies auf der letzten Seite. Wichtig sei "höchstmögliche Sicherheit bei möglichst geringer Belastung des Verkehrs- und Warenflusses", heißt es nun weit vorne. Es gehe "um flexible Lösungen, nicht um starre Regulierung". Konkrete Maßnahmen fehlen.

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  • Und wieder mal der völlig falsche Weg.
    Wir sind ncith die USA mir ihren Riesenstraßen und Weiten.
    Wie war das mal vor Jahren als noch wirklich eine grüne bewegung gab?
    Güter runter von der Autobahn rauf auf die Schiene.
    bringen wir in diesem Land eigentlich gar ncihts mehr so richtig zusande?
    Oder wird hier nur wieder die Firma bedient, die diese Giga-Liner herstellt?

  • Kranke Welt.

    Der Grossversuch mit Gigalinern gab es schon - und er ist kläglich gescheitert.

    Die Dinger passen um keine Kurve/Abbiegung, schädigen durch ihr höheres Achsgewicht den Asphalt, und bewirken durch eine Länge ein erhebliche Steigerung des Unfallrisikos, beispielsweise kommt man durch sie auf der Autobahn kaum noch von der linken Fahrbahn zur Ausfahrt.

    Aber korrupte Politiker wie Ramsauer hören auf ihren einen Amigo der gut zahlt, und pressen durch, was bei klarem Verstand längst ausgesondert wäre.

    Übrigens sind schon heute Anhänger erlaubt, die mehr Raum bei nur einem Fahrer ermöglichen, sogar um Kurven passen und das Gewicht auf mehr Achsen verteilen, aber kaum ein LKW fährt mit Anhänger. Selbst die branche will es also nicht.

    SPERRT ALLE POLiTiKER EiN!

  • Kommentar von MS trifft den Kern der Sache! Was der Minister großmundig verkündet ist ein weiterer großer baustein in der Lobbyhörigkeit. Alles was hier als technisch vorteilhaft angepriesen wird, wird sich in sein Gegenteil verkehren. Wetten,daß?

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