Logistiker
Das Ringen um die Quelle-Aufträge

Branchenprimus DHL droht einen Großkunden zu verlieren. Durch die Insolvenz des Arcandor-Konzerns könnte sich auch die Versandhandelssparte Primondo ("Quelle") einen günstigeren Logistikpartner suchen. Die Konkurrenz der Post-Tochter hat sich bereits in Stellung gebracht.

DÜSSELDORF. Durch die Insolvenz des Handelskonzerns Arcandor könnte der Wettbewerb im Paketmarkt angeheizt werden. Arcandor gilt mit seiner Versandhandelssparte Primondo („Quelle“) als größter Paketkunde von Branchenprimus DHL, der Paket- und Logistiktochter der Deutschen Post. „Konkurrenten wie Hermes, DPD, TNT, GLS oder UPS machen sich bereits Hoffnung auf die Aufträge des zerfallenden Versandhandelimperiums“, meinte der Hamburger Unternehmensberater Horst Manner-Romberg.

Ein Insolvenzverwalter könnte die Verträge mit DHL kündigen und einen günstigeren Anbieter suchen. Denn älteren Angaben zufolge stellt DHL täglich mehr als 100 000 Quelle-Pakete zu.

Die Post könnte zwar mit Kampfpreisen versuchen, die Aufträge zu halten, so der Logistikexperte. Dies aber dürfte das ohnehin unter Druck stehende Ergebnis des Konzerns zusätzlich belasten. Allein der Paketumsatz der Post mit Arcandor wird auf rund eine halbe Milliarde Euro geschätzt.

Außerdem interessieren sich konkurrierende Versandhändler wie die Hamburger Otto-Gruppe für Teile des Versandhandelsgeschäfts von Primondo. Otto hat aber mit der Hermes-Gruppe einen eigenen Paketdienst, der auch als preiswerter gilt.

„Wir sind im vergangenen Jahr bereits stärker als der Markt gewachsen“, sagte Hartmut Ilek, Vorsitzender der Geschäftsführung der Hermes Logistik Gruppe Deutschland (HLGD). Damit hat Hermes den Konkurrenten bereits Marktanteile abgejagt. Hermes steigerte den Umsatz im Jahr 2008/09 (1. März) um 3,9 Prozent auf knapp über eine Mrd. Euro (brutto inklusive Mehrwertsteuer). Das Paketvolumen stieg um 3,1 Prozent auf 252 Millionen Sendungen.

Der gesamte Markt für Paketdienstleistungen inklusive Kurier- und Expressdienste legte laut einer Studie der Bundesnetzagentur im Jahr 2008 nur um 3,6 Prozent auf 17,4 Mrd. Euro zu. Dies sei nicht zuletzt auf die gestiegene Bedeutung des Versandhandels zurückzuführen. Allerdings hätten sich manche Einschätzungen zum Einfluss des Internethandels auf das Paketvolumen als „viel zu optimistisch“ erwiesen.

Für das Jahr 2009 macht Ilek „gute Perspektiven“ aus. Ilek rechnet mit einem Umsatzplus zwischen drei und fünf Prozent. Dabei setzt er offenbar nicht nur auf das wachsende Versandhandelsgeschäft – immerhin macht Hermes einen großen Teil des Paketumsatzes mit dem Mutterkonzern Otto-Versand – sondern auch darauf, von Konkurrenten und insbesondere vom Branchenprimus DHL Aufträge zu ergattern.

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