Logistiker
Fiege trennt sich vom reinen Transportgeschäft

Der Logistiker Fiege aus dem westfälischen Greven hat sich durch eine strategische Fehleinschätzung ein blaues Auge geholt. Die Schließung des erst 2006 erworbenen LKW-Transportnetzes der TTS-Gruppe führt zu einem starken Ergebniseinbruch und bedeutet das Ende der Pläne für ein eigenes Landverkehrsnetz.

DÜSSELDORF. Das positive Ergebnis der Fiege-Kontraktlogistik sei im Jahr 2007 durch die Probleme im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich belastet worden, bestätigte ein Fiege-Sprecher dem Handelsblatt. Mit weiteren "Kosten im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich" wird durch die Schließung von sechs der vierzehn TTS-Standorten gerechnet, da man den Abbau "sozialverträglich" regeln wolle. Betroffen sind 500 Beschäftigte, rund die Hälfte LKW-Fahrer. Fiege werde dadurch aber nicht in die roten Zahlen rutschen, betonte er. Künftig werde sich das Unternehmen wieder auf das Kerngeschäft Kontraktlogistik konzentrieren, der logistischen Betreuung von Großkunden von der Lagerhaltung über die Weiterverarbeitung bis zur Zulieferung.

Das reine Transportgeschäft mit 450 LKWs sei unwirtschaftlich gewesen und habe nicht zu Fiege gepasst. Denn das TTS-Transportnetz sei zu klein, um ein flächendeckendes Transportangebot zu ermöglichen. Dazu wären weitere kostspielige Zukäufe nötig. Zusätzlich sei das Transportgeschäft durch den Wegfall eines großen Handelskunden, der Metro Group, belastet worden, räumte der Sprecher ein. Die Metro hatte sich für den Konkurrenten Dachser als neuen Transportdienstleister entschieden. Fiege verliert damit den Auftrag, den man beim Kauf der TTS als Mitgift erhalten hatte. Streitigkeiten über Preise haben zur Trennung geführt, sagen Branchenkenner. Bei dem reinen Transportgeschäft habe man nur "draufgelegt", so der Sprecher. Der Auftrag hat einen Wert im zweistelligen Millionenbereich.

2006 erzielte Fiege mit 21 000 Mitarbeitern einen Umsatz von 1,75 Mrd. Euro und zählt damit zu den großen Logistikern in Europa. Das "Familienunternehmen aus Überzeugung" publiziert grundsätzlich keine Ergebniszahlen, gilt aber finanziell als gesund. Logistikexperte Horst Manner-Romberg schätzt, dass die Marge von Fiege bei den branchenüblichen drei bis vier Prozent liegt.

Fiege hatte erst im Frühsommer 2006 die TTS und ihre im Osteuropageschäft tätige Schwestergesellschaft Rewico für einen Betrag "im oberen zweistelligen Millionenbereich" erworben. Die Gruppe erzielt insgesamt einen Umsatz von 250 Mill. Euro. Sowohl das Osteuropa-Geschäft der Rewico als auch das Logistikgeschäft der TTS für Großkunden wie beispielsweise Haribo und Nestlé würden weitergeführt, sagte der Fiege-Sprecher. Auf das reine Transportnetz entfallen nur 80 Mill. Euro Umsatz.

Zur Geschäftsentwicklung im Jahr 2007 wollte der Sprecher noch keine konkreten Zahlen nennen, doch werde mit einem moderatem Wachstum im Konzern gerechnet. Die Branche sei 2007 zwischen vier und zehn Prozent gewachsen. Das werde wohl auch Fiege erreichen, sagte er. Fiege habe insbesondere im Ausland gut zugelegt. In Osteuropa habe Fiege seine Position gefestigt, in Asien baue man das Geschäft aus. Aber auch im Inland habe Fiege den Umsatz gesteigert. Positiv habe sich der Einstieg in neue Geschäftsfelder wie die Industrielogistik ausgewirkt. Fiege übernimmt etwa für den Hubschrauberhersteller Eurocopter die Logistik.

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