Logistiker im Fokus
Klagewelle gegen Kartelle rollt an

Bußgelder machen Unternehmen schwer zu schaffen, Kunden fordern Schadenersatz. Düstere Aussichten gibt es derzeit nicht nur für überführte Airlines. Vor allem Frachtkartelle stehen im Fokus der Gesetzeshüter, ein Urteil steht bevor.
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DÜSSELDORF/BRÜSSEL/STOCKHOLM. Für die Fluggesellschaften British Airways, Air France KLM und SAS könnte das Luftfrachtkartell, das die EU-Kommission aufgedeckt hat, schmerzhafte Folgen haben. Noch bevor die EU-Wettbewerbsaufseher am Dienstag gegen die drei Unternehmen Bußgelder wegen Preisabsprache verhängt haben, reichten Kunden Klage auf Schadenersatz ein. Allein in Schweden vereint sich alles, was Rang und Namen in der Wirtschaft hat. Hennes & Mauritz (H&M), Ikea und Volvo führen Sammelklage gegen SAS.

Und Brüssel liefert die Munition. Laut EU-Kommission haben elf internationale Fluglinien zwischen Dezember 1999 und Februar 2006 unerlaubt Preise abgesprochen. Zuerst sei es um Treibstoffzuschläge gegangen. Die Fluggesellschaften hätten einander kontaktiert, um sicherzustellen, dass die weltweit operierenden Luftfrachtunternehmen für alle Sendungen einen pauschalen Zuschlag pro Kilogramm erheben. Dann weiteten die Kartellmitglieder laut Kommission ihre Zusammenarbeit aus, indem sie einen Sicherheitszuschlag einführten und es ablehnten, ihren Kunden eine Provision für den Einzug von Zuschlägen zu zahlen.

Das höchste Bußgeld von 340 Mio. Euro soll nun Air France-KLM mit der Tochter Martinair zahlen. British Airways bittet Brüssel mit 104 Mio. Euro zur Kasse. Und SAS ist mit 70 Mio. Euro dabei. Fünf Unternehmen beantragten wegen angeblich drohender Zahlungsunfähigkeit eine Verringerung der Geldbuße. Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia mochte ihnen aber nicht folgen. Keiner der Fälle habe die Voraussetzungen für einen entsprechenden Strafnachlass erfüllt.

Das Frachtkartell, sagen Experten, könnte der Dammbruch für die Klageindustrie gegen Kartellsünder sein - so wie in den USA, wo Schadenersatzklagen gegen Unternehmen an der Tagesordnung sind. Auch einige der elf Mitglieder des von Brüssel abgestraften Kartells sind in den USA mit Forderungen konfrontiert.

Erste Vergleiche in Millionenhöhe sind geschlossen, andere werden in diesen Tagen erwartet. So hat sich Air France KLM im Sommer bereiterklärt, 87 Mio. Dollar zu zahlen. Insgesamt könnten die Zahlungen in den USA die Bußgelder von 799 Mio. Euro aus Brüssel übersteigen, schätzen Branchenkenner.

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