Logistikfirma BLG
Gefährlicher Offshore-Poker

Europas führende Automobil-Umschlagsfirma will zu einer Größe für die Logistik von Offshore-Windkraftanlagen aufsteigen. BLG-Chef Aden glaubt an hohe Gewinne. Doch Investitionen und Bauverzögerungen erhöhen das Risiko.
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BremenNeuwagen sind es üblicherweise, die BLG-Chef Detthold Aden bewegt - und zwar rund um den Globus. Ohne den von ihm geführten Bremer Logistikkonzern blieben die X-Reihen von BMW in Alabama, koreanische Kia- und Hyundai-Modelle fänden kaum ihren Weg in deutsche Autohäuser, und Chinas Millionäre warteten vergeblich auf ihren Audi A8, 7er-BMW oder die S-Klasse von Mercedes.

Noch rund 6,5 Millionen Kraftfahrzeuge wird Aden voraussichtlich in den kommenden zwölf Monaten befördern - vornehmlich auf dem internationalen Schiffsweg über sein Autoterminal in Bremerhaven, aber auch mit 1000 Eisenbahnwaggons, sieben Binnenschiffen und 500 Sattelschleppern. Dann geht der heute 64-Jährige in den Ruhestand und übergibt den Chefposten an den ehemaligen Maersk-Deutschlandchef Frank Dreeke.

Bis dahin indessen wird Aden weniger der Automobiltransport bewegen als vielmehr ein ganz anderes Projekt: Die einst verstaubte „Bremer Lagerhaus-Gesellschaft Aktiengesellschaft von 1877“, so plant der Vorstandschef sein eigenes Abschiedsgeschenk, soll zu einem der wichtigsten Player in der Logistik für den Bau der deutschen Offshore-Windkraftparks aufsteigen.

Das Unterfangen ist kühn. Denn die Risiken sind höher, als es sich die BLG wünschen kann: Zunächst fehlte es an Aufrichterschiffen, die erst nach und nach in Polen und Korea bestellt werden. Vor wenigen Tagen dann erklärten die Netzbetreiber, dass sich der Anschluss der Windräder ans Stromnetz aus technischen Gründen verzögert - und das um möglicherweise 15 Monate. Wann sich das Geschäft für die BLG rentiert, steht damit in den Sternen.

Dabei haben die Bremer bereits 20 Millionen Euro ins Neugeschäft gesteckt, erste Aufträge von Windparkbetreibern an Land gezogen und den Geschäftsbetrieb provisorisch aufgenommen. Aber damit ist es nicht getan. Ohne zusätzliche Investitionen, die fast dem doppelten Konzernertrag vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) des letzten Jahres entsprechen, kann Aden seinen Traum begraben. Allein 200 Millionen Euro soll der Neubau eines 25 Hektar großen Offshore-Terminals kosten, um dessen Betrieb sich die BLG gemeinsam mit dem Baukonzern Hochtief bewirbt.

Die BLG schickt sich damit an, im Offshore-Geschäft ein großes Rad zu drehen. „Wir wollen demnächst 200 Millionen Euro jährlich in diesem Geschäft umsetzen“, kündigte Aden gegenüber dem Handelsblatt an, „mit einer Rendite von zehn Prozent.“

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So viel Strom wie aus zehn Atomkraftwerken

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