Logistikkonzern
Paketschwemme beglückt Deutsche Post

Der boomende Internethandel beflügelt die Paket-Sparte und erfreut Vorstandschef Frank Appel. Im Briefgeschäft läuft es dagegen weiter bescheiden. Und das hat nicht mit der nachlässigen Porto-Kontrolle zu tun.
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BonnDrei Cent wiegen manchmal schwer. So schwer, dass Post-Vorstandschef Frank Appel an die Bürgerpflicht erinnern muss. „Grundsätzlich sind alle Bürger verpflichtet, das volle Porto zu zahlen. Wir müssen das Porto erheben und werden das auch konsequent tun“, betonte er bei der Bilanzpressekonferenz des Logistikkonzerns am Dienstag in Bonn.

Zuvor war er mit dem Ergebnis eines Versuchs konfrontiert worden. Anlässlich der jüngsten Briefporto-Erhöhung hatte Handelsblatt Online Mitte Februar knapp 300 Briefe verschicken lassen. Anstelle der neuerdings geforderten 58 Cent waren aber nur alte Marken im Wert von 55 Cent aufgeklebt. 99 Prozent der unterfrankierten Briefe kamen an. Die Post drückte offenbar ein Auge zu. „Es mag vom Zusteller abhängen, ob der vielleicht freundlich ist“, erklärte Appel das Ergebnis.

Zu seiner Bilanz für 2012 gab es wenig Klärungsbedarf. Zu gut waren die Zahlen. Vor Zinsen und Steuern verdiente die Post 2012 knapp 2,7 Milliarden Euro – neun Prozent mehr als im Vorjahr. Der Umsatz kletterte um 5,1 Prozent auf 55,5 Milliarden Euro. Unterm Strich blieb ein Gewinn von 1,66 Milliarden Euro. Die Post-Aktie legte bis zum Mittag um knapp fünf Prozent zu. „Wir haben geliefert, was wir versprochen haben“, sagte Appel.

Die Anteilseigner der Post können in den kommenden Jahren bei höheren Gewinnen auf steigende Dividenden hoffen. Die Aktionäre könnten auf Fortschritte bei der Dividende setzen, wenn die Post entsprechend ihren Mittelfrist-Zielen vorankomme, sagte Finanzchef Larry Rosen vor Analysten. Rosen und Post-Chef Frank Appel hatten für 2012 eine unveränderte Dividende in Höhe von 0,70 Euro je Aktie angekündigt.

Mit dem Briefporto will es der gelbe Riese künftig ernst nehmen. Schließlich hofft die Post in diesem Jahr auf Mehreinnahmen von bis zu 100 Millionen Euro. Das Geld kann die Briefsparte gut gebrauchen. Denn wegen der zunehmenden Online-Kommunikation geht der Umsatz im traditionellen Briefsegment kontinuierlich zurück. Allein 340 Millionen Euro verlor die Post im vergangenen Jahr.

Dass die Briefsparte des Konzerns am Dienstag trotzdem nur einen leichten Umsatzrückgang vermeldete, verdankt die Post dem boomenden Internethandel von Ebay, Amazon, Zalando und Co. Jeden vierten Euro, den der gelbe Riese seiner Briefsparte zurechnet, macht der Konzern inzwischen mit Pakten oder Päckchen. 2012 stieg die Zahl der Sendungen um zehn Prozent auf fast eine Milliarde Stück. „An manchen Tagen haben wir mehr als sieben Millionen Pakete zugestellt. Das heißt jeder sechste Haushalt in Deutschland hat ein Paket bekommen“, sagte der Vorstandschef.

Die höchste Gewinnmarge erzielt sein Unternehmen mittlerweile mit Express-Lieferungen. Diese brachten 2012 erstmals mehr Gewinn als das Briefsegment. Doch das traditionelle Geschäft soll den Bonnern auch in den kommenden Jahren Milliardenüberschüsse bescheren. Egal ob ein Standardbrief nun 55 Cent kostet oder 58.

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  • Des Einen Leid, des Anderen Freud. DHL gewinnt, der stationäre Einzelhandel verliert. Das nennt man Umverteilung.

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