Logistikkonzerne
Post gibt USA verloren

Die Deutsche Post zieht sich aus dem Geschäft mit Eilsendungen innerhalb Amerikas zurück. Von dem Schritt erhofft sich der Chef des Bonner Logistikkonzerns, Frank Appel, schwarze Zahlen. Zunächst verschlingt die Sanierung aber Milliarden.

BONN. Die Deutsche Post wird zum ersten Mal seit ihrer Privatisierung einen Nettoverlust ausweisen. Hohe Restrukturierungskosten von drei Mrd. Euro für den Ausstieg aus dem inneramerikanischen Geschäft mit Eilsendungen drücken den Konzern in diesem Jahr in die roten Zahlen. Wie hoch der Verlust im Gesamtjahr ausfällt, wollte Post-Chef Frank Appel anlässlich der Vorlage der Quartalszahlen nicht sagen. Dies sei abhängig vom traditionell starken vierten Quartal und dem Weihnachtsgeschäft. Appel stellt dennoch eine Dividende für das Jahr in Aussicht. Sondereinnahmen wie eine Beihilferückzahlung des Bundes machen es möglich.

„Ich habe mich in den ersten neun Monaten darauf konzentriert, dringende Themen aus der Vergangenheit anzupacken und unsere Ertragsbasis zu stärken“, begründete Appel die Maßnahmen. Er hatte den Vorstandsposten Anfang des Jahres von Klaus Zumwinkel übernommen, der nach einer privaten Steueraffäre zurückgetreten war. Appel saniert nun die Konzern-Baustellen seines Vorgängers. Kürzlich erst hatte er die Finanztochter Postbank teilweise an die Deutsche Bank verkauft und damit die Konzentration auf das Kerngeschäft Brief, Express und Logistik eingeleitet.

Eine Prognose für das kommende Jahr wollte Appel angesichts der Finanzkrise nicht wagen. Um den Konzern „wetterfest“ gegen die negativen konjunkturellen Auswirkungen der Finanzkrise zu machen, kündigte er aber zusätzliche Einsparungen von einer Mrd. Euro konzernweit an. Allerdings schließt er einen Arbeitsplatzabbau in Deutschland aus.

An der Börse kamen die Sanierungspläne für das US-Expressgeschäft und das Sparprogramm gut an. Die Aktie der Post rangierte mit einem Plus von rund fünf Prozent unter den Spitzenreitern im Dax. ING-Analyst Axel Funhoff lobte die Pläne für das US-Geschäft. Die Post habe Entschlossenheit gezeigt, ihr Problem mit dem US-Expressgeschäft unter Kontrolle zu bekommen und auf die Wirtschaftskrise zu reagieren. Dies könne dazu beitragen, das angeschlagene Vertrauen der Investoren aufzupolieren.

Anfang des kommenden Jahres will sich die Post aus dem inneramerikanischen Zustellgeschäft von Eilsendungen in der Luft und am Boden zurückziehen. Um dieses Ziel zu erreichen, wird DHL Express USA alle rein nationalen Sortierzentren schließen und die Anzahl der Niederlassungen von 412 auf 103 reduzieren. Dadurch werden in der US-Sparte insgesamt rund 15 000 Arbeitsplätze abgebaut.

Weitere tausende Arbeitsplätze könnten bei Subunternehmern wegfallen, die für DHL die Pakete ausfahren. Damit konzentriert sich DHL Express in den USA auf das internationale Geschäft und wird dafür weiterhin ein Netz mit 3 000 bis 4 000 Mitarbeitern in den USA unterhalten. Die Sanierung wird durch den Rückzug allerdings erheblich teurer als ursprünglich geplant: Die Kosten verdoppeln sich auf drei Mrd. Euro. Seit dem Einstieg in den USA hat die Post dort bereits 7,5 Mrd. Euro verbrannt.

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