Logistikmarkt
Der Post droht erneut Gewinnwarnung

Schwaches Expressgeschäft in Europa, Verluste in den USA und verlangsamtes Wachstum in Asien. Die schlechten Nachrichten für die Deutsche Post reißen nicht ab. Wie Konkurrent TNT muss wahrscheinlich auch der deutsche Logistikriese seine Prognose nach unten korrigieren.

DÜSSELDORF. Die Finanzkrise hinterlässt in den Bilanzen der Paket- und Expressdienstleister immer tiefere Spuren. Nach dem niederländischen Postkonzern TNT hat nun auch die Deutsche Post vor Analysten in den Niederlanden eingeräumt, dass sich das europäische Expressgeschäft (Eilsendungen) im Oktober erneut schwach entwickelt hat und keine Besserung in Sicht ist. Das ohnehin seit Jahren defizitäre US-Expressgeschäft, aus dem die Post aussteigen will, stürze weiter ab und auch das Wachstumstempo in Asien verlangsame sich von 15 Prozent Plus in den letzten Jahren auf aktuell vier bis fünf Prozent, berichtete Axel Funhoff, Analyst der ING Bank, im Anschluss an die Konferenz.

Zudem werde wegen der Konjunkturflaute im vierten Quartal nicht die „saisonal übliche Spitze“ im Geschäftsverlauf der Post erwartet, bestätigte ein Post-Sprecher dem Handelsblatt. Denn die wirtschaftliche Entwicklung verlangsamt sich spürbar und viele Unternehmen ordnen bereits verlängerte Werksferien an. Expressdienste gelten als konjunkturelle Frühindikatoren.

Analyst Jochen Rothenbacher von Equinet rechnet daher nach der erneuten Gewinnwarnung von TNT auch mit einer bei der Post. Die Post hatte erst kürzlich das Ziel für das operative Ergebnis (Ebit) von 2,9 auf 2,4 Mrd. Euro angepasst. Rothenbacher hält diese Jahresprognose der Post angesichts der Einbrüche im Paket- und Logistikgeschäft für riskant und erwartet lediglich 2,25 Mrd. Euro. Die Post hatte bereits ein Sparprogramm angekündigt. Sie will aus dem defizitären US-Expressgeschäft aussteigen und die Kosten im Konzern weltweit bis 2010 um eine Mrd. Euro senken. Experten rechnen mit einer Verschärfung. So wird bereits diskutiert, Briefe und Pakete nur noch an fünf statt an sechs Tagen auszutragen, die Leerung der Briefkästen einzuschränken und Filialen zu schließen. Nach dem Auslaufen des Briefmonopols Ende 2007 gibt es Überlegungen, die deutschen Vorgaben des Postgesetzes an das EU-Recht anzugleichen. Ein Personalabbau in Deutschland sei aber nicht geplant, bekräftigte ein Post-Sprecher.

Auch Verbände schlagen Alarm. Während neben DHL und TNT auch UPS, Hermes, GLS und DPD in Deutschland in den letzten Jahren ein durchschnittliches Plus von fünf Prozent beim Sendungsvolumen verzeichneten, wie Gunnar Uldall, Präsident des Branchenverbands BIEK berichtet, werde das Wachstum 2008 auf zwei bis drei Prozent zurückgehen. 2009 werde die Krise voll durchschlagen und das Wachstum auf ein bis zwei Prozent sinken.

TNT hat die Ergebnisprognose für die Express-Sparte bereits zum zweiten Mal gesenkt. Das Jahresergebnis der Sparte, die für 60 Prozent der Umsätze steht, werde unter den bisher genannten Zielen liegen, so TNT-Chef Peter Bakker vor Analysten in London, ohne konkrete Zahlen zu nennen. Die Volumina im europäischen Expressmarkt seien im Oktober und November weiter zurückgegangen und lägen nun deutlich unter dem Niveau des Vorjahres. Betroffen sei vor allem die Luftfracht, die allein im November um 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat eingebrochen sei. Transporte per Lkw seien um sieben Prozent gesunken.

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