Logistiksparte
Paketkonzerne sparen im Expresstempo

Stottert der Konjunkturmotor, bekommen es die großen Paket- und Expressdienste sofort zu spüren. Viele Kunden steigen von teuren Luftfracht-Päckchen auf billigere Transporte per LKW, Bahn oder Schiff um. Angesichts der angeschlagenen Weltwirtschaft können die Paketkonzerne nicht mit einer schnellen Erholung rechnen. Die US-Riesen Fedex und UPS reagierten darauf bereits mit Sparmaßnahmen - die Deutsche Post und TNT ziehen nun nach.

DÜSSELDORF. Peter Bakker, Chef der niederländischen TNT, verkündete Anfang der Woche ein 125 Mio. Euro schweren Sparprogramm. Das Expressgeschäft in Europa habe sich im September sowie in den ersten Oktoberwochen "deutlich verschlechtert". Das operative Ergebnis der Sparte brach um fast ein Viertel ein. Immerhin: Dank des weniger konjunkturempfindlichen Briefgeschäfts lag das Minus im Konzern nur bei knapp 20 Prozent.

Auch von der Deutschen Post, die bislang nur vorläufige Zahlen für das Quartal vorlegte, kamen keine guten Nachrichten in Sachen Konjunktur. Im Gegenteil: Die Post muss noch zusätzliche Lasten schultern. Das seit Jahren defizitäre US-Expressgeschäft und die Postbank verstärken die Sorgen noch. Dank des Briefgeschäfts und der Logistiksparte lag das operative Ergebnis (Ebit) des Konzerns im dritten Quartal mit 430 Mio. Euro zwar nur um acht Prozent unter dem Vorjahreswert. Im konjunktursensiblen Geschäft mit Eilsendungen stürzte das Ergebnis aber um 35 Prozent ab.

Damit ließ sich der Ausblick für das Gesamtjahr nicht mehr halten. Post-Chef Frank Appel, der die schlechten Nachrichten durch seinen Finanzchef John Allan überbringen ließ, musste die Prognose korrigieren. Nun erwartet die Post in diesem Jahr nur noch ein Ebit von 2,4 Mrd. Euro, 17 Prozent weniger als geplant und zehn Prozent unter dem Vorjahreswert.

Dabei war die Postbank, die erst kürzlich teilweise an die Deutsche Bank verkauft wurde, gar nicht mehr im Zahlenwerk berücksichtigt. Ansonsten hätte sie den Konzern noch weiter nach unten gezogen: Deutschlands größte Privatkundenbank verbuchte wegen des Zusammenbruchs der US-Bank Lehman Brothers einen Verlust von knapp 450 Mio. Euro.

Die Mutter Post musste einspringen. Denn der Anteilsverkauf der Deutschen Bank ist noch nicht in trockenen Tüchern, soll aber dadurch nicht gefährdet sein. Finanzchef John Allan kündigte eine milliardenschwere Kapitalerhöhung der Postbank an, die er aus dem Cashflow der Post finanzieren will. Damit die Aktionäre nicht jammern, versprach er, die Dividende der Post stabil zu halten. Von der Banktochter wird die Post dagegen keine erhalten.

Besonders hart betroffen ist die Post vom US-Geschäft mit Eilsendungen. Die Verluste nehmen weiter zu, die Wirtschaftsflaute lässt die Frachtmengen weiter zusammenschnurren. Verhandlungen mit UPS über eine Kooperation in der US-Luftfracht ziehen sich daher hin. Den begonnenen Rückzug aus dem Zustellgeschäft in den USA will Appel nun noch beschleunigen. Künftig dürfte daher die US Post noch mehr DHL-Sendungen an die Haushalte verteilen. Damit stehen weitere tausende Arbeitsplätze bei DHL Express und Subunternehmern in Frage. Experten bezweifeln deshalb, dass Appel mit den angepeilten zwei Mrd. Euro für die Sanierung auskommen wird. Die Post will am 10. November anlässlich der endgültigen Vorlage der Quartalszahlen "klare" Antworten geben.

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