Logistiktochter Hermes soll der Post Paroli bieten
Otto will Gewinn stabil halten

Der weltgrößte Versandhändler Otto geht davon aus, die Konsumflaute unbeschadet zu überstehen. Der 60-jährige Firmenlenker Michael Otto plant für das Geschäftsjahr 2003/2004 (zum 28. Februar) mit einem stabilen Umsatz und Ertrag im Konzern. „Ähnliches gilt für das Deutschlandgeschäft“, sagte der Vorstandschef der Otto GmbH & Co. KG.

lip HAMBURG. Otto erwartet für die zweite Hälfte des Geschäftsjahres eine Belebung des deutschen Versandhandels nach einem Umsatzminus von rund 2 % in der ersten Hälfte. 2002/03 war der Inlandsumsatz des Hamburger Konzerns von 8,5 auf 8,03 Mrd. Euro gesunken.

Das Umfeld für den Konsum im Inland ist trotz Hoffnungen auf einen Aufschwung alles andere als rosig: Der für den Versandriesen wichtige Verkauf von Textilien, Bekleidung und Schuhen wird laut Otto in diesem Jahr um 3,2 % schrumpfen. Wahre Rabattschlachten prägten den Handel. Daran werde sich Otto aber nicht beteiligen. „Wir werden nur auf verschiedene Produkte großzügige Preisnachlässe gewähren, nicht auf ganze Sortimente“, sagte der Vorstandschef. „Nachhaltige Ertragsstärke hat Vorrang vor Umsatz um jeden Preis.“

Auch der Warenhauskonzern Karstadt-Quelle gibt sich für 2003 optimistisch: „Wir gehen davon aus, dass der Umsatz in diesem Jahr mindestens auf Vorjahreshöhe liegen wird. Bei einem Vorziehen der Steuerreform erwarten wir bereits eine Konjunkturbelebung im vierten Quartal“, sagte ein Sprecher von Karstadt-Quelle. Der Konzern hatte im Jahr 2002 mehr als 15,8 Mrd. Euro umgesetzt.

Der Otto-Konzern hat das Ergebnis im abgelaufenen Geschäftsjahr vor Steuern kräftig um 24 % auf 342 Mill. Euro gesteigert. Der Jahresüberschuss kletterte um 26 % auf 233 Mill. Euro, während der Umsatz leicht von 16,5 auf 16,08 Mrd. Euro zurückging. In den Konzernzahlen nicht enthalten sind Gemeinschaftsunternehmen wie Fegro/Selgros und Zara.

Den Gewinnsprung verdankt das Unternehmen laut Otto der Tatsache, dass es die Kosten weiter gesenkt und den Warenrohertrag gesteigert habe. Das sei gelungen, indem der Konzern mehr Waren in China und Vietnam gekauft habe. Bisher hat das Unternehmen die Textilien unter anderem aus Hongkong, Taiwan und Südkorea bezogen. Zugleich habe Otto die Zahl der Beschäftigten sozialverträglich leicht auf rund 54 000 abgebaut. Betriebsbedingte Kündigungen habe es nicht gegeben.

Ausbauen will Otto die Logistiksparte mit der Tochter Hermes. Der Paketdienst soll künftig verstärkt Privatkunden ansprechen und der Deutschen Post Paroli bieten. 9 000 Paket-Shops des Her- mes-Netzes sollen deutschlandweit vom Herbst an allen Verbrauchern als Abgabestelle für private Pakete dienen. „Wir sind im Preis wettbewerbsfähig“, sagt Otto.

Keine Angaben wollte der Firmenlenker aber zu der laufenden Umstrukturierung des US-Versandhändlers Spiegel Inc., Downers Grove/Illinois, machen. Der Versender befinde sich im Besitz der Familie Otto und werde nicht im Konzern konsolidiert, sagte er zur Begründung. Das Unternehmen hatte nach letzten Informationen Gläubigerschutz gemäß Chapter 11 des US-Konkursrechts beantragt. Damit soll die Sanierung gewährleistet werden, nachdem sich Otto mit den Banken nach fast einjähriger Verhandlung nicht über eine Verlängerung der Kredite einigen konnte. Die Probleme stammen aus expansiven Kreditkartenengagements.

Quelle: Handelsblatt

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