Lohndrückerei
Paketbranche kämpft um ihr Image

Die Paketbranche steht wegen ihrer Arbeitsbedingungen in der Kritik. Allen voran der Zustelldienst Hermes. Mit einem Kodex will das Unternehmen der Kritik entgegentreten. Die Wirkung der Aktion ist ungewiss.

HamburgDer Termin ist im Kalender von Hanjo Schneider dick markiert. Als Vorstand der Otto-Gruppe für den Bereich Services verantwortet er die Logistiktochter Hermes. Die steht heute Abend medial massiv in der Kritik. Eine halbe Stunde lang, vor den Tagesthemen, setzt sich die ARD kritisch mit dem Geschäftsgebaren von Hermes auseinander.

Bereits im Januar hatten die Autoren des heutigen Berichts dem Unternehmen in einem Beitrag für das TV-Magazin "Monitor" Lohndrückerei vorgeworfen. In der Reportage "Das Hermes-Prinzip" legen sie nach: Für das Unternehmen tätige Paketboten müssten pausenlos arbeiten, führen oftmals zu schnell, "um wenigstens das Existenzminimum einzufahren". Hätten die Boten Pech und die Empfänger seien nicht da, bekämen sie gar kein Geld. Werde falsch oder zu spät ausgeliefert, drohten Strafabzüge bis zu 100 Euro.

Hermes gibt sich Verhaltenskodex

Schneider bestreitet nicht, dass es unter den 400 Subunternehmern mit gut 13 000 Zustellern auch im Auftrag von Hermes "schwarze Schafe" gibt. Er hat deshalb einen Verhaltenskodex entwickelt, auf den er die Subunternehmer verpflichtet. Ein Ombudsmann geht Beschwerden nach.

Doch damit ist es nach Ansicht von Fachleuten nicht getan. Zwar haftet Hermes nicht im rechtlichen Sinne für die Lohndrückerei bei seinen Subunternehmen, wie der Branchenexperte Horst Manner-Romberg erklärt. Die Otto-Tochter könne sich dennoch nicht aus der Verantwortung ziehen. "Gegenüber den Paketempfängern treten die Fahrer schließlich als Hermes-Repräsentanten auf", sagt er. Das Argument ist leicht nachvollziehbar: Auf den Lieferwagen steht das blaue Logo des Hamburger Paketdienstes, auf den Overalls ebenso.

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