„Lohnwucher“: Die verborgene Seite des Rossmann-Reiches

„Lohnwucher“
Die verborgene Seite des Rossmann-Reiches

Rossmann droht der „Schlecker-Effekt“. Denn nicht alles an der Drogeriemarktkette ist so makellos, wie es aussieht. Statt auf Stammpersonal setzt Chef Dirk Roßmann auf billige Arbeitskräfte ausländischer Subunternehmen.
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DüsseldorfJeder soll sie sehen, die heile Rossmann-Welt. In großen roten Buchstaben prangt der Firmenname über den hellen Eingangsbereichen der 1 612 deutschen Filialen. Täglich kaufen hier 1,2 Millionen Menschen ein. Durch die Pleite des schlecht beleumundeten Konkurrenten Schlecker sollen es noch mehr werden. Was die meisten Kunden nicht ahnen: Nicht alles bei Rossmann ist besser als bei Schlecker. Es gibt auch eine dunkle, verborgene Seite des Rossmann-Reiches. Handelsblatt-Recherchen werfen erstmals Licht auf ein Geflecht aus Subunternehmen mit englischen Namen und polnischen Töchtern. Auf ihnen steht nicht „Rossmann“ - und doch sind auch sie mit Dirk Roßmann, dem Chef der Drogeriemarktkette, verbunden.

Nicht ohne Grund arbeiten die Subunternehmen im Verborgenen. Ihre Beschäftigten befüllen bei Rossmann die Regale, erledigen Inventuren, sitzen an der Kasse. Sie sind Billiglöhner, verdienen deutlich weniger, als es die Einzelhandelstarife vorgeben.

Die Potsdamer "Instore Solution Services GmbH" (ISS) ist so ein dunkler Fleck. Dirk Roßmanns Investitionsfirma ist an der ISS mit 49 Prozent beteiligt. So steht es im Jahresabschluss der "Rossmann Beteiligungs GmbH" vom Sommer 2011. Knapp 32 Millionen Euro Umsatz machte die ISS 2010 und 1,27 Millionen Euro Gewinn. Zahlen, über die sich Dirk Roßmann freuen dürfte.

Mitarbeiter und Teamleiter der ISS haben hingegen weniger zu lachen. Sie berichten dem Handelsblatt, wie das System Rossmann funktioniert: In den frühen Morgenstunden rücken sie an. Auf Palettenwagen stehen die Shampoo-Flaschen, Baby-Gläschen und Deko-Kerzen, die sie in die Regale räumen. Ein Sortiment von über 17 000 Produkten. Bis neun Uhr, wenn die Läden öffnen, sollen die ISS-Leute fertig sein. Brauchen sie länger, verdienen sie für die Überstunden meist nichts, klagen Beschäftigte.

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  • Für die ISS war die negative Presse scheinbar zuviel. Die Mitarbeiter wurden jetzt auf 2 neue Firmen verteilt: impuls one GmbH & Co. KG - HRA 5845 und tempus GmbH & Co. KG - HRA 7062.
    Gebessert hat sich natürlich nichts. Im Moment macht die Firma in ISS-Kleidung!! auch Umbauten und Inventuren für Penny/REWE. Auf das Arbeitsschutzgesetz wird da wenig Rücksicht genommen und wer etwas sagt wird gemobbt.
    Der Geschäftsführer der impuls one ist auch Geschäftsführer einer polnischen Dienstleistungsfirma!

  • Hallo. Habe 3 Jahren bei Iss gearbeitet und verdiente 8,00€ Brutto die std. auf Teilzeit. Arbeitete ca. 25 std. in der Woche. Bin früher überall hin gefahren, morgens um 6.00h auf der Arbeit für 3,5 std. dann in die nächste Filiale. Aber meistens wieder um 11.00h zuhause. Abends um 21.00h geht das Handy kannst du morgen dahin fahren super wenn man kein Auto hatte und der arbeitsplatz 50km weit ist bin aber meistens gefahren mal wieder für 3-4h, das was ich an den tag verdient habe ist für Fahrgeld drauf gegangen. Aber die gehalt zahlungen sind das beste zwischen 15-20 des Monats. Teamleiterschulungen werden nicht wirklich bezahlt man bekommt einen Gutschein von 15 od. 20€ vom Rossmann zugeschickt. Das Abeits klima ist letzte wenn man nicht mit lästert wird man gemobbt, und nicht nur von den eigenen Mitarbeitern sondern auch von den Rossmann Mitarbeitern, RL od. Gb leitung hören das zwar gucken aber weg aus angst wie mir es scheint. Alles in einen wenn du nicht mit ziehst hast du verloren. Bei Iss stehen immer die Türen offen obwohl eine Drehtür besser wäre bei zuvielen Leuten die kommen und gehen. Gruss an Kölle.

  • iss behauptet das Sie Tariflohn Zahle. Auf Frage nach Tarifvertrag wurde mir gekündigt. Klage vor dem Arbeitsgericht Bonn war erfolglos, weil der Anwalt von iss falsche angaben auf die Frage nach dem angeblichen Tarifvertrag machte. Selbst Beschwerde bis zum BVG blieb erfolglos
    Anzeige gegen den Geschäftsführer von iss wurde von der Staatsanwalschaft zurückgewiesen, mit der Begründung, der Geschäftfuhrer einer GmbH ist nicht verantwortlich für das Handeln der GmbH.
    Die Justitz schützt offensichtlichsolche Arbeitgeber

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