Lokale Konkurrenz versucht den verschwiegenen Discounter abzublocken
Spießrutenlaufen in Jönköping: Lidls Kampf in Schweden

Klappern gehört definitiv nicht zum Handwerk des deutschen Discounters Lidl. In Schweden, wo das verbriefte Öffentlichkeitsprinzip selbst das Lesen der Post an den Regierungschef ermöglicht, hat die Verschwiegenheit des Unternehmens Argwohn geweckt.

BÅLSTA. Klappern gehört definitiv nicht zum Handwerk des deutschen Discounters Lidl. Nicht nur in Deutschland, auch im Ausland hält sich der Konzern strikt an seine Devise: "Kein Kommentar". Der Geheimniskrämer aus Neckarsulm lässt sich nicht in die Karten schauen, gibt keinerlei Auskünfte über Zahlen und Ziele.

In Schweden, wo das verbriefte Öffentlichkeitsprinzip selbst das Lesen der Post an den Regierungschef ermöglicht, hat diese Verschwiegenheit Argwohn geweckt. Gewerkschaften interessieren sich für die Arbeitsbedingungen, Kunden diskutieren über die Qualität der Produkte. Seit September ist Lidl nach gut einem Jahr intensiver Vorbereitung mit zunächst 11 Geschäften gestartet. Mittlerweile sind es 24, und bis Jahresende soll die Zahl auf 30 gestiegen sein.

"Ich darf nichts sagen, wenden Sie sich an die Zentrale in Stockholm", ist das Einzige, was sich Nils Hesthagen, Filialleiter des neu eröffneten Lidl in Bålsta, einem 17 000- Einwohner-Ort rund 50 Kilometer südwestlich von Stockholm, entlocken lässt. Doch auch dort hält man von Kommunikation wenig. Ein einziges Mal gelang es, den Chef für Lidl in Schweden, René Lindholm, an den Hörer zu bekommen. "Sie sind vermutlich der erste Journalist, der zu mir durchgestellt worden ist", sagte Lindholm, bedankte sich freundlich für das Interesse und legte auf.

Im vergangenen Jahr machte Lindholm eine Ausnahme und ging an die Öffentlichkeit. Denn der erfolgsverwöhnte Lidl-Konzern war auf große Probleme bei der Niederlassung in Schweden gestoßen. Das seit Jahrzehnten herrschende Oligopol der einheimischen Ketten ICA, Coop und Axfood mit mehr als 90 % Marktanteil versuchte alles, um den unliebsamen Konkurrenten zu verhindern. Sie bangten um ihre Gewinnmargen, immerhin kosten Lebensmittel in Schweden 18 % mehr als im EU-Durchschnitt. Einige Gemeinderäte unterstützten die drei Ketten sogar, indem sie beispielsweise Lidl Baugenehmigungen versagten.

Lindholm sprach deshalb von "einer sowjetisch-kommunistischen Sichtweise", die etwa die Stadtväter von Jönköping in Südschweden an den Tag gelegt hätten. Dort sollte Lidl nachweisen, dass die Stadt noch ein weiteres Lebensmittelgeschäft brauche.

Seite 1:

Spießrutenlaufen in Jönköping: Lidls Kampf in Schweden

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%