Lokführer-Ausstand
Streik erwischt auch den Bahnchef

Seit dem Morgen bestreiken die Lokführer auch den Personenverkehr. Der Ausstand trifft nicht nur Millionen Pendler, sondern auch den Bahnchef. Und auch eine von der Bahn unterstützte Veranstaltung hat Probleme.
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FrankfurtDer Lokführerstreik trifft auch Bahnchef Rüdiger Grube. Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG wollte an einem Kongress der „Women Speaker Foundation“ an diesem Freitag in Frankfurt teilnehmen. Die schon ab Donnerstag geplante Veranstaltung mit rund 150 Teilnehmern wurde jedoch kurzfristig abgesagt, wie die Veranstalter auf Anfrage bestätigten.

Wegen des Streiks hätte es für viele Gäste und Referenten Probleme gegeben, den Veranstaltungsort im Frankfurter Bahn-Hochhaus sicher und pünktlich zu erreichen. Grube wollte über die Digitalstrategie der Bahn sprechen.

Der Streik trifft auch gut 3000 Schüler auf ihrem Weg nach Berlin zum Schulwettbewerb Jugend trainiert für Olympia. Die Beteiligten organisierten viel selbst, Eltern würden ihre Kinder etwa zu den Bahnknotenpunkten fahren, erklärte Thomas Poller von der Deutschen Schulsportstiftung am Dienstag. Die Deutsche Bahn habe zusätzliche Busse gechartert, teilte das Unternehmen mit. Die Bahn ist seit 2012 Hauptsponsor des Wettbewerbs. Ob Wettkämpfe verschoben werden müssen, werde erst noch entschieden, sagte Poller.

Am Morgen hatte der Streik bereits Millionen Pendler im Berufsverkehr getroffen. In der Nacht zum Dienstag weiteten die Lokführer ihren im Güterverkehr begonnenen Ausstand bundesweit auf den S-Bahn-, Regional- und Fernverkehr aus. In vielen Städten fielen am Morgen zahlreiche S-Bahnen aus. Laut Bahn waren Berlin, Halle, Frankfurt und Mannheim besonders betroffen.

Im Regionalverkehr fielen demnach rund ein Drittel der Züge aus, im Fernverkehr zwei Drittel. Der achte Streik im laufenden Tarifkonflikt soll bis Sonntag dauern. Damit wäre er der längste in der Geschichte der Deutschen Bahn. Eine Annäherung zur Lokführergewerkschaft GDL war nicht in Sicht.

Besonders stark vom Ausstand betroffen sind laut Bahn der bereits seit Montag bestreikte Güterverkehr. Hier gebe es bundesweit massive Verspätungen sowie Einschränkungen der Kunden im In- und Ausland. Zeitkritische Transporte fährt die Bahn jedoch bevorzugt, um Produktionsausfälle zu vermeiden. Zudem haben inzwischen private Konkurrenten der Bahn einen Marktanteil von rund einem Drittel erobert. Auch im Regionalverkehr fahren die Züge dort, wo die Deutsche Bahn Verkehrsaufträge der Länder an andere Unternehmen verloren hat.

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