Lokführer Weselsky und Schell
Der Krieg der GDL-Alphatiere

Manfred Schell, der Vorgänger des GDL-Chefs Claus Weselsky, ist gleichzeitig sein ärgster Widersacher. Seit Jahren liefern sich die beiden einen Machtkampf. Nun hat Weselsky indirekt zu Schells Rauswurf aufgerufen.
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Hamburg/DüsseldorfDer Vorsitzende der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky, hat einen Rauswurf seines Vorgängers Manfred Schell aus der Gewerkschaft ins Gespräch gebracht. „Wenn seine Ortsgruppe einen Antrag stellt, ihn rauszuwerfen, werden wir im Vorstand bestimmt nicht dagegen sein“, sagte Weselsky in einem am Mittwoch vorab veröffentlichten Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“. Die Aussage kann auch als indirekter Aufruf zu einem Rauswurf von Schell interpretiert werden.

Schell habe der GDL, „um die er unglaubliche Verdienste hat, so großen Schaden zugefügt, dass unsere Leute nichts mehr mit ihm zu tun haben wollen“, sagte Weselsky. Manche Mitglieder forderten, ihn aus der GDL zu werfen. Er sei ja noch immer Mitglied. „Aber vielleicht nicht mehr lange“, sagte Weselsky. Er forderte Schell auf, er solle „sich in eine Ecke zurückziehen und seinen Altersstarrsinn für sich behalten“.

Schell, der von 1989 bis 2008 GDL-Bundesvorsitzender war, hatte Weselsky wegen dessen Kurs im Tarifstreit mit der Deutschen Bahn scharf angegriffen. In einem Interview mit „Zeit Online“ hatte er Weselsky vorgeworfen, mit dem Streik der Lokführergewerkschaft zu schaden.

Im September hatte Schell gegenüber der „Bild“ die Ankündigung Weselskys, eine Urabstimmung durchführen zu wollen und die damit verbundenen Dauerstreik-Drohungen folgendermaßen kommentiert: „Der stellt sich hin, als würde er zum Heiligen Krieg aufrufen. Nur um sein Ego zu stärken. So geht es nicht!“

Die Hauptforderung Weselskys im Tarifstreit mit der Deutschen Bahn ist es, auch im Namen des Zugpersonals in der Bordgastronomie, Disponenten oder Zugbegleitern zu verhandeln. Auch hier musste der GDL-Chef Kritik von seinem Vorgänger einstecken: „Das war doch zu meiner Zeit schon klar: Wenn nur ein Drittel der Beschäftigten dieser Bereiche in meiner Gewerkschaft organisiert sind, kann ich nicht erwarten, diese Leute zu vertreten! Die GDL ist auf dem falschen Gleis!“ sagte Schell der „Bild“.

Schell hat in den Jahren 2007 und 2008 selbst knallharte Tarifverhandlungen mit der Bahn geführt und den damaligen DB-Chef Hartmut Mehdorn als „Rumpelstilzchen“ bezeichnet.

Weselsky und Schell bekriegen sich schon seit längerer Zeit. Schell legte im vergangenen Jahr den Ehrenvorsitz bei der GDL nieder, nachdem der Vizevorsitzende Sven Grünwoldt vom Hauptvorstand nach Streitigkeiten um einen Privatkredit des Amtes enthoben worden war.

Daraufhin wurden zwei Stellvertreter Weselskys aus dem Vorstand geschasst. Schell hatte Weselsky „Säuberungen“ vorgeworfen und ihn mit Syriens Diktator Baschar al-Assad verglichen. 2013 gründete Schell mit anderen früheren langjährigen Amtsträgern die Initiative für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in der GDL, die Weselsky scharf kritisiert.

Nun wittert Weselsky offenbar die Gelegenheit, seinen ärgsten Widersacher innerhalb der Lokführergewerkschaft loszuwerden.

Anis Micijevic ist freier Journalist und schreibt für Handelsblatt Online. Quelle: Armin Dahl / Handelsblatt Online
Anis Micijevic
Handelsblatt / Spätdienst Online + Mobile
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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