London Metal Exchange
Börse Hongkong übernimmt Londoner Handelsplatz

Der Bieterwettstreit um die traditionsreiche Metallbörse in London zog sich über Monate hin. Die Börse Hongkong setzt sich gegen ein Gebot aus den USA durch. Doch die siegreichen Asiaten zahlen einen hohen Preis.
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London.Nach monatelangem Ringen und einem dramatischen Wettbieten hat sich die Börse Hongkong den Zuschlag für die weltweit wichtigste Metallbörse, die London Metal Exchange (LME) gesichert. Den prestigeträchtigen Zukauf müssen die Asiaten allerdings teuer bezahlen. Insgesamt 1,39 Milliarden Pfund geben sie für die Übernahme aus. Analysten hatten vor der Auktion den Wert der LME auf etwa eine Milliarde Pfund geschätzt.

Die New New Yorker Börse Nyse, die ebenfalls zu den Interessenten für die Metallbörse gehörte, bot Branchenkreisen zufolge sogar nur 800 Millionen Pfund. Im Endspiel um die LME haben die Hongkoner die amerikanische Intercontinental Exchange geschlagen, die als letzter Bieter noch mit im Rennen war.

„Das Board hat der Transaktion einstimmig zugestimmt“, ließ die LME wissen. Bis Ende Juli müssen jetzt noch die Aktionäre zustimmen. Die 135 Jahre alte LME, über die 80 Prozent des weltweiten Terminhandels mit Industriemetallen abwickelt werden, hatte sich 2011 selbst zum Verkauf gestellt. Sie zählt zu den letzten bedeutenden Handelsplätzen, die sich im Besitz ihrer Mitglieder befinden.

Die Traditionsbörse gehört Banken und Händlern wie Goldman Sachs und Barclays. Außerdem ist die LME die einzige Börse Europas, die noch einen Parketthandel hat. Die Händler sitzen sich in der Londoner Leadenhall Street traditionell auf einem ringförmigen, roten Sofa gegenüber und rufen sich die Orders zu. Im vergangenen Jahr hat die LME einen Nettogewinn von 7,7 Millionen Pfund verbucht. Derzeit leidet der Handel aber unter der Euro-Krise und dem Druck auf die Rohstoffpreise.

Auch die Hongkonger Börse meldete zuletzt einen Rückgang. Das Unternehmen ist einer der wichtigsten Handelsplatzbetreiber der Welt und selbst an der Börse notiert. Zuletzt fiel die Marktkapitalisierung allerdings in Richtung 15 Milliarden Dollar. Damit mussten die Asiaten den Titel der wertvollsten Börse der Welt erst einmal an den US-Terminmarkt CME abgeben. Gemessen am Volumen der gehandelten Papiere liegt Hongkong global auf Rang sechs.

Die asiatische Börse arbeitet seit geraumer Zeit an der internationalen Expansion. Der Kauf der LME soll Hongkong vor allem in China voranbringen, einem der weltweit wichtigsten Käufer von Rohstoffen.

Die Übernahme wäre der erste größere asiatisch-europäische Deal in der internationalen Börsenlandschaft. In der Branche stehen die Zeichen zwar seit langem auf Konsolidierung, zuletzt scheiterten allerdings einige große Übernahmen. Die Brüsseler Wettbewerbshüter verhinderten die Fusion der Börsen Frankfurt und New York. Die Londoner Aktienbörse LSE musste den Versuch aufgeben, den kanadischen Konkurrenten TMX zu kaufen, und die australische Regierung verhinderte das Zusammengehen der Börsen Sidney und Singapur.

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