London Metal Exchange
Erfolg geht vor Veränderung

An der London Metal Exchange funktioniert der Handel noch genau so wie zur Gründung im Jahre 1877. Man trifft sich persönlich, handelt und die überwiegende Mehrheit der Kontrakte wechselt nach wie vor durch bloßen Zuruf den Besitzer.

LONDON. Wer das unscheinbare Gebäude im Zentrum Londons in der Leadenhall Street betritt, begibt sich in eine andere Welt. Das Haus beherbergt einen großen Saal, in dem ein kreisrundes, rotes Sofa steht. Jeden Tag um die Mittagszeit versammeln sich hier Dutzende von Männern, einige sitzen, viele stehen. Ab und zu schreien sie wild durchein-ander, regelmäßig ebbt das Getöse nach wenigen Minuten ab. Am späteren Nachmittag trennen sich die Männer wieder, danach wird es im Saal ruhig.

Das Gebäude in der Leadenhall Street ist Heimat der London Metal Exchange (LME), der Terminbörse für Buntmetalle. Es scheint, als wäre hier die Zeit stehen geblieben. Noch heute geht es in der LME zu wie kurz nach der Gründung im Jahr 1877. Man trifft sich persönlich und handelt. Andere Börsen mögen von den Vorzügen des Computers sprechen. Auch an der LME ist der elektronische Handel möglich. Die überwiegende Mehrheit der Kontrakte wechselt jedoch nach wie vor durch bloßen Zuruf den Besitzer. Das überrascht sogar LME-Chef Simon Heale: „Vor vier Jahren dachte ich, dass der Parketthandel in spätestens drei Jahren verschwindet.“ Doch scheint der Metallhandel anderen Gesetzmäßigkeiten zu folgen als das Geschäft mit Aktien oder Anleihen.

Auch die Handelszeiten für die insgesamt neun Metall- und zwei Plastikvarianten an der LME sind extrem kurz. Jeder Wert kommt viermal täglich je fünf Minuten zum Zug. Die LME will die Liquidität durch dieses Verfahren so stark wie möglich bündeln. „Für illiquide Werte funktioniert der Handel so am besten“, erklärt Narayan Naik, Professor an der London Business School.

Veränderungsdruck scheint es an der LME nicht zu geben. Dank eines Rohstoffbooms ohnegleichen prosperiert die Börse zurzeit wie nie zuvor. Seit 1993 hat sich der Jahresumsatz gut verdreifacht. Im Vorjahr wechselten 72 Millionen Kontrakte den Besitzer, der Wert der Käufe und Verkäufe belief sich auf 3 500 Milliarden Dollar.

Von solchen Dimensionen war die LME an ihren Ursprüngen im 16. Jahrhundert weit entfernt. Zu Zeiten von Königin Elisabeth I. begannen sich die Metallhändler regelmäßig an der „Royal Exchange“ zu treffen. Dort handelten sie, um den Heimatmarkt mit Baumaterial zu versorgen. Über die Jahre entwickelte sich Großbritannien zu einem Netto-Exporteur des Rohstoffs. Die Folge war, dass immer mehr Händler aus Europa zur Royal Exchange stießen. Im 19. Jahrhundert wurde die Gruppe der Händler, Schiffs-Charterer und Finanziers an der Royal Exchange so groß, dass die Geschäftsabschlüsse zu unübersichtlich wurden. Einzelne Gruppen zogen sich in die Kaffeehäuser zurück. Hier entstand die Tradition des Ringhandels: Ein Verkäufer malte einen Kreis auf den Boden und rief „Change“. Schon versammelten sich Interessenten um den Kreis, um ihre Gebote abzugeben.

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