Londoner Börse prüft alle Optionen
Endspiel um LSE beginnt

Der Übernahmekampf um die Londoner Börse (LSE) geht in die entscheidende Phase. Nach Informationen aus Finanzkreisen rechnet Börsenchefin Clara Furse fest mit einer neuen Offerte der Nasdaq in den kommenden Wochen. Deshalb prüfe sie derzeit alle Optionen. Dazu gehört offenbar auch ein Zusammenschluss mit dem weltgrößten Interbankenbroker Icap, der ebenfalls in London sitzt.

LONDON. Daneben spielen die Berater der LSE, die Investmentbanken Merrill Lynch und Lehman Brothers, den Informationen zufolge auch weitere Möglichkeiten durch. Neben einer Allianz mit dem skandinavischen Börsenbetreiber OMX oder einer fernöstlichen Börse gehört dazu auch die etwaige Beteiligung von Private-Equity-Investoren an der LSE.

Die Nasdaq hatte im vergangenen März eine Offerte von 4,2 Mrd. Dollar für die LSE abgegeben. Die Londoner lehnten das Angebot allerdings ab. Daraufhin hat sich die US-Technologiebörse am Markt einen Anteil von 25,3 Prozent an der LSE zusammengekauft. Nach britischem Übernahmerecht kann Nasdaq-Chef Bob Greifeld frühestens am 2. Oktober einen neuen Übernahmeversuch starten. Dabei müsste er den Anlegern mindestens 1,243 Pfund je LSE-Aktie bieten, was dem Preis entspricht, den die Nasdaq zuletzt für ihr LSE-Paket bezahlt hat. Damit müsste Greifeld insgesamt 3,7 Mrd. Dollar für die Börsen-Aktien aufbringen, die ihm noch nicht gehören. Ein billigeres Angebot dürfte er den Übernahmeregeln zufolge erst im kommenden März unterbreiten. Deshalb gingen viele Analysten bislang davon aus, dass sich die Nasdaq zunächst Zeit lassen werde.

Finanzkreisen zufolge rechnet die LSE aber eher früher als später mit einem Angebot. Greifeld habe unmissverständlich klar gemacht, dass er die Fusion wolle. Analysten zweifeln allerdings noch immer, ob der Nasdaq die Finanzierung gelingt. Die LSE ist an der Börse mittlerweile umgerechnet 4,9 Mrd. Dollar wert, die Nasdaq nur noch knapp 3,5 Mrd. Dollar. Außerdem hat die Ratingagentur Standard & Poor’s die Bonität der US-Börse bereits auf Junk-Status zurückgestuft. Greifeld gibt sich dennoch zuversichtlich. Vor einigen Wochen betonte er, dass die Nasdaq – wenn sie wolle – die nötigen Mittel für eine Offerte aufbringen könne. Nach Einschätzung von Experten hofft Greifeld dabei auf die Hilfe der beiden Private-Equity-Gesellschaften, die an der Technologiebörse beteiligt sind. Hellman & Friedman hält gut 20 Prozent an der Nasdaq, Silver Lake rund zwölf Prozent.

Um eine Übernahme durch die US-Börse zu verhindern, habe LSE-Chefin Furse im Sommer Fusionsgespräche mit dem weltgrößten Interbankenbroker Icap aufgenommen, hieß es gestern übereinstimmend in britischen Medienberichten. Furse und Icap-Chef Michael Spencer hätten eine rein britische Lösung für die Konsolidierung im Wertpapierhandel schaffen wollen. Inzwischen habe Spencer aber die Gespräche unterbrochen, weil ihm die Bewertung der LSE zu hoch sei. Aus einer Fusion der beiden Unternehmen wäre ein Handelsriese mit einem Börsenwert von fast sechs Mrd. Pfund entstanden. Icap kommt derzeit auf eine Marktkapitalisierung von 3,3 Mrd. Pfund.

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