Low-Cost-Markt
Lufthansa könnte noch stärker auf Billigsegment setzen

Lufthansa mischt sich bisher nur bedingt ins Segment ein. Nun erwarten Experten, dass die Kranich-Airline Kurs auf mehr Billigflugreisen nimmt. Die Töchter Eurowings und Germanwings könnten dabei wichtige Rollen spielen.
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FrankfurtLufthansa-Chef Carsten Spohr wird nach Einschätzung von Experten den Luftverkehrskonzern auf einen schärferen Billigkurs steuern. Vor allem die Anteilseigner erwarteten, dass Lufthansa sich stärker am europäischen Low-Cost-Markt beteilige, hieß es am Dienstag in Unternehmenskreisen. Dort fliegen Konkurrenten wie EasyJet oder Ryanair mit strikter Kostenkontrolle seit Jahren Gewinne ein. Im Lufthansa-Konzern kommt für ein paneuropäisches Netz mit Verbindungen wie Mailand-London oder Warschau-Paris die bislang vernachlässigte Tochter Eurowings infrage, die ein niedrigeres Tarifniveau für die Beschäftigten aufweist als die Mutter Lufthansa.

Der im Mai angetretene neue Lufthansa-Chef Spohr will die Grundzüge seiner Strategie an diesem Mittwoch (9. Juli) in Seeheim bei Frankfurt der Öffentlichkeit präsentieren. Entscheidend für einen Erfolg wird auch die Frage sein, wie weit er die starken Gewerkschaften einbinden und ihnen Zugeständnisse für zusätzliche Billigangebote abringen kann. Die internen Gespräche dazu sollen sich aber noch im Anfangsstadium befinden, wie von Arbeitnehmerseite zu hören war. Auch eine Lösung für den seit Monaten schwelenden Konflikt um die Übergangsversorgung für Piloten und Flugbegleiter werde Spohr nicht vorlegen können.

Der Luftverkehrsanalyst Jürgen Pieper von der Privatbank Metzler erwartet eine noch größere Rolle für Germanwings, den bereits für dezentrale Verkehre von und nach Deutschland etablierten Anbieter. „Germanwings wird deutlich wachsen“ sagte der Branchenkenner am Dienstag bei einem Branchentreff am Frankfurter Flughafen. Die niedrigeren Betriebskosten der Germanwings sollen das lange Zeit defizitäre Europageschäft bis 2015 in die schwarzen Zahlen bringen. Kern des Angebots sind drei Tarife, die vom reinen Flug von A nach B bis zum Niveau der Lufthansa-Business-Class reichen.

Der Chef des Flughafens Köln-Bonn, Michael Garvens, rechnet fest damit, dass sich auch auf der Langstrecke ein Billigangebot etabliert. „Es ist keine Frage des Obs, sondern des Wanns“, sagte Garvens. So habe die malaysische Fluggesellschaft AirAsia mit ihrem Ableger AirAsia-X bereits vor Jahren ein Billig-Langstreckenangebot innerhalb Asiens etabliert. Bei den luxuriöseren Angeboten gebe es immer weniger Wachstumschancen. Daher dürften sich die Angebote eher nach unten hin ausdifferenzieren.

Lufthansa denkt bislang laut darüber nach, mit älteren Langstreckenjets touristische Ziele anzufliegen. Dazu will sie bei Mitarbeitern und Flughäfen an der Kostenschraube drehen. Bisher rechnen sich solche Strecken für Europas größte Fluglinie nicht. Ob Spohr auch Billig-Langflüge unter einer neuen Marke ins Portfolio aufnehmen will, ist noch unklar.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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