LSE lehnt Angebot der Deutschen Börse weiterhin ab: Deutsche Börse hält an Kaufpreis für LSE fest

LSE lehnt Angebot der Deutschen Börse weiterhin ab
Deutsche Börse hält an Kaufpreis für LSE fest

Im Bieterwettbewerb um die Londoner Börse LSE will die Deutsche Börse ihr Kaufpreisangebot nicht erhöhen. „Unser Preis ist ein guter Preis und wir halten daran fest“, sagte Vorstandchef Werner Seifert am Dienstag auf der Bilanzpressekonferenz des Konzerns.

HB FRANKFURT. Er warb wortreich um die Zustimmung der eigenen Aktionäre für die Übernahme und trat Befürchtungen entgegen, diese werde den Finanzplatz Frankfurt beschädigen. „Der Finanzplatz braucht keine Romantik, und auch kein Wehklagen, dass wegen drei Dutzend Jobs, die nach London gehen, der Finanzplatz zusammenbricht“, sagte Seifert. Den Gegnern der LSE-Übernahme unter den eigenen Aktionären hielt er indirekt vor, mit der Forderung nach der Ablösung des Managements nur auf den eigenen Profit zu spekulieren.

Die LSE lehnt den von der Deutschen Börse gebotenen Übernahmepreis von knapp 2 Milliarden Euro als zu niedrig ab. Trotzdem bemüht sich die Deutsche Börse weiter, eine Empfehlung der LSE-Führung an deren Aktionäre für das Angebot der Deutschen Börse zu erhalten. Unter anderem will Seifert im Falle einer Fusion drei wichtige Vorstandspositionen nach London verlegen. Dies hatte in Frankfurt Befürchtungen genährt, der wichtigste deutsche Finanzplatz könnte unter dieser Akquisition leiden. Durch die Fusion würde die weltweit zweitgrößte Börse hinter der New York Stock Exchange entstehen.

Dass die Ergebnisse der Deutschen Börse 2004 hinter den Erwartungen der Analysten zurückblieben, geriet auf der Pressekonferenz am Dienstag zur Nebensache. Am Aktienmarkt gab der Kurs rund 2 Prozent nach, gemessen an der Kursrally des vergangenen Monats von 15 Prozent eher eine moderate Reaktion. „Im Moment überdeckt die LSE-Planung alles“, sagte ein Analyst.

Dividendenerhöung und Aktienrückkauf für eigene Aktionäre

Für 2004 plant die Börse eine Dividendenerhöhung von 27 Prozent auf 0,70 Euro, weitere Erhöhungen um mindestens 20 Prozent im Jahr wurden in Aussicht gestellt. 2006 will der Konzern trotz der Milliarden-Akquisition eigene Aktien im Wert von 200 Millionen Euro zurückkaufen. „Unsere Kapitalausstattung lässt eine solche Ausschüttung und auch Akquisitionen zu“, sagte Finanzchef Mathias Hlubek. Bis zum vierten Quartal rechnet er mit einem Barmittelbestand des Konzerns von rund 1 Milliarde Euro. Ab dem dritten Jahr sei ein Kauf der LSE attraktiver als eine sofortige Ausschüttung der Reserven, so Seifert.

Der Hedge-Fonds TCI, der gut 5 Prozent an der Börse hält, hält den LSE-Kauf für wirtschaftlich unsinnig und fordert die Absetzung des Managements und eine sofortige Ausschüttung der Summe. Dazu sagte Seifert am Rande der Konferenz: „Überlegt Euch doch mal: Wenn wir uns von dem Kauf zurückziehen, dann steigt der Kurs schnell um 4, 5 Euro. Bei ein paar Millionen Aktien macht das ein hübsches Sümmchen.“ Bei insgesamt 111,8 Millionen handelbaren Aktien der Deutschen Börse entsprechen fünf Prozent ungefähr 5,6 Millionen Anteilsscheinen.

Falls die das Rennen um die LSE gegen den Rivalen Euronext verliert, hat die Deutsche Börse nach Seiferts Worten noch Alternativen im Blick. Ob die zum Verkauf stehende Bond-Handelsplattform MTS eine solche sein könnte, wollte Seifert nicht sagen. Das führende Handelssystem für den Rentenhandel an der Börse hat Interessenbekundungen unter anderem von der Deutschen Börse und Euronext erhalten. MTS ist im Besitz von Banken, von denen ein großer Teil aus Italien stammt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%