LTS Lohmann
Deutscher Pflaster-Konzern könnte nach Japan gehen

LTS Lohmann kann sich derzeit vor Übernahmeangeboten kaum retten. Dem Plaster-Produzenten sollen mehrere milliardenschwere Übernahmeangebote vorliegen – darunter soll auch eins der Beteiligungsfirma Blackstone sein.
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FrankfurtDer Medizinpflaster-Hersteller LTS Lohmann hat Insidern zufolge mehrere milliardenschwere Übernahmeofferten von Unternehmen aus der Branche und Finanzinvestoren erhalten. Die Angebote bewegten sich in einer Spanne zwischen 1,1 und 1,3 Milliarden Euro, sagten drei mit dem Vorgang vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters.

Zu den Bietern für das Unternehmen aus dem rheinland-pfälzischen Andernach zählten der japanische Pharmakonzern Hisamitsu Pharmaceutical sowie die Beteiligungsfirma Blackstone, die LTS mit ihrer Pharmabeteiligung Catalent zusammenschließen wolle, sagten die Insider. Auch der Finanzinvestor KKR habe seinen Hut in den Ring geworfen. KKR habe vor, LTS mit seiner Gesellschaft Capsugel zu kombinieren, die Hartgelatine-Kapseln für Medikamente produziert. Darüber hinaus reichten den Kreisen zufolge auch die Beteiligungsgesellschaften EQT, CVC, Nordic Capital, Carlyle und Wendel Offerten ein. Der Essener Spezialchemiekonzern Evonik und der Nivea-Hersteller Beiersdorf seien trotz anfänglichen Interesses nicht dabei. Organisiert werde der Verkaufsprozess von Morgan Stanley.

Der Schweizer Pharmariese Novartis ist mit rund 43 Prozent an LTS Lohmann beteiligt und größter Einzelaktionär. Weitere Anteilseigner sind SAP-Mitgründer Dietmar Hopp mit rund 30 Prozent sowie die Stuttgarter Beteiligungsgesellschaft BWK. LTS, die Finanzinvestoren und die Hopp-Beteiligungsgesellschaft Dievini lehnten eine Stellungnahme ab. Der Schweizer Pharmariese Novartis, der nicht nur Miteigner sondern auch einer der größten Kunden von LTS ist, war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Bei BWK und Hisamitsu war ebenfalls zunächst keine Stellungnahme erhältlich. Den Insidern zufolge trafen sich die LTS-Eigner am Freitag, um über die Offerten zu beraten.

LTS Lohmann erwirtschaftet mit rund 1100 Mitarbeitern derzeit einen Jahresumsatz von 286 Millionen Euro. Das Unternehmen ist einer der Pioniere des Nikotinpflasters, mittlerweile werden aber auch Wirkstoffe gegen Alzheimer, Parkinson oder das Restless-Legs-Syndrom über die Haut verabreicht. LTS hat für mehr als zehn Wirkstoffe Medikamentenpflaster im Angebot. Das Unternehmen stellt zudem im Auftrag anderer Pharmafirmen Arzneien in Form hauchdünner Plättchen her, die die Patienten auf der Zunge zergehen lassen müssen.

Auch die Generika-Branche hat längst das Wirkstoffpflaster als Geschäftsfeld für sich entdeckt. So will der Generikakonzern Actavis eine Kopie des Anti-Parkinson und -Alzheimer-Pflasters Exelon von LTS und Novartis auf den Markt bringen. Novartis hat den Generikakonzern deswegen in den USA verklagt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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