Luftfahrt
Air Baltic beantragt Gläubigerschutz

Die lettische Fluggesellschaft befindet sich in schweren Turbulenzen. Jetzt hat das von einem Deutschen geleitete Unternehmen Gläubigerschutz beantragt. Der Chef spricht von einem Komplott gegen ihn.
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StockholmEin monatelanges Gerangel um die lettische Fluggesellschaft Air Baltic ist am Donnerstag eskaliert: Die lettische Fluggesellschaft beantragte Gläubigerschutz.

Der Schritt war notwendig geworden, nachdem sich der lettische Staat, der 52,6 Prozent der Air Baltic-Aktien hält, und die private Investmentfirma BAS nicht über eine notwendige Kapitalaufstockung von rund 90 Millionen Euro einigen konnten. Der Flugbetrieb solle bis auf Weiteres aufrechterhalten werden, teilte Air Baltic-Chef Bertold Flick mit.

Der deutsche Konzernchef befindet sich seit Monaten in einem erbitterten Streit mit der Regierung, die ihm Missmanagement und undurchsichtige Kontakte zu einflussreichen Geschäftsleuten vorwirft. Die Regierung hatte sich zu einer Finanzspritze unter der Bedingung bereiterklärt, dass Flick zurücktritt. Nach einer Sondersitzung des Kabinetts am Donnerstag erneuerte die Regierung ihre Forderungen.

Gleichzeitig erklärte ein Sprecher aber auch, dass die Regierung unter bestimmten Bedingungen bereit sei, ihren Anteil an Air Baltic zu verkaufen. Außerdem solle mit Luftfahrtexperten die Bildung einer neuen Fluggesellschaft untersucht werden.

Air Baltic-Chef Flick spricht von einem Komplott gegen ihn und das Unternehmen und wirft der Regierung eine Verzögerungstaktik vor. Aus Furcht vor einer möglichen Verhaftung leitet er die Fluggesellschaft derzeit aus Berlin. Flick hat mehrfach betont, dass die private Investmentgesellschaft BAS, an der er selbst Miteigner ist, jederzeit den staatlichen Air Baltic-Anteil übernehmen könne.

Seit seiner Unabhängigkeit wird das baltische Land immer wieder von Korruptionsskandalen erschüttert. Die Anti-Korruptionsorganisation Transparency International zählt Lettland zu einem der korruptesten Länder der EU. Tatsächlich haben sich einige Oligarchen, einflussreiche Geschäftsleute, während der Privatisierung bereichert und ihren Einfluss auf die Politik ausgebaut.

Jüngstes Beispiel für das undurchsichtige Spiel von Politik und Geld ist die Affäre um Air Baltic. Flick werden enge Kontakte zu einem der Oligarchen nachgesagt.

Die Fluggesellschaft war im vergangenen Jahr in Turbulenzen geraten und schrieb einen Verlust von rund 50 Millionen Euro. Air Baltic wurde 1995 gegründet und fliegt mit 36 Maschinen von Riga aus in Länder der ehemaligen Sowjetunion sowie nach Nord-, Mittel- und Südeuropa.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " Luftfahrt: Air Baltic beantragt Gläubigerschutz"

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  • Eigentlich wird umgekehrt daraus ein Schuh: Flick kann Antonow die aufgenommenen Kredite incl. Zinsen nicht mehr zurückzahlen und hat Angst nach Riga zurückzukehren. Inzwischen trocknet die Regierung die airbaltic aus und entwertet damit die ca. 47 % von Flick am Unternehmen. Die Zeit dürfte gg. F. spielen. - Ich privat würde z.Z. kein Flugticket mehr von airbaltic kaufen.

  • Undurchsichtige Story. Das ganze ist wahrscheinlich vor dem Hintergrund eskaliert, dass Flick mit Übernahme der Anteile der SAS an der airbaltic und seit der anschließenden Übertragung der Rechte an der Firma airbaltic auf die BAS im Jahr 2009 ein schlechtes Verhältnis zu der lettischen Regierung hat. Hinzukommt dieser ominöse Oligarch, der möglicherweise in der BAS als Finanzier der im Jahr 2009 aufgenommenen Kredite den Ton angibt. Das Ganze vor dem Hintergrund auch, dass letztlich russischer Einfluss auf ein lettisches Statussymbol über den Deutschen ausgeübt worden sein könnte.
    Aber wer weiß mehr.

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