Luftfahrt
Flugzeughersteller blicken vorsichtig optimistisch auf die ILA

Großaufträge kann die Branche auf der Internationalen Flugausstellung nicht erwarten. Dennoch blicken die Aussteller optimistisch auf die Messe: Während in Europa Flaute herrscht, lassen andere Regionen aufhorchen.
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BerlinBei der Berliner Luftfahrtausstellung ILA sind dem deutschen Branchenverband BDLI zufolge keine spektakulären Großaufträge zu erwarten. In diesem Jahr gebe es insgesamt etwas weniger Bestellungen als 2011, sagte der Chef des Bundesverbandes der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie, Tom Enders.

„Das hängt sehr stark damit zusammen, dass wir im letzten Jahr ein absolutes Rekordjahr hatten mit über 1.400 Aufträgen, das hat es noch nie gegeben.“ Enders sprach von einer Abkühlung, die aber keinen konjunkturellen Abschwung bedeute. Die europäischen Fluggesellschaften seien zwar erheblich unter Druck, die Wachstumsmärkte in Asien und Nahost trieben aber nach wie vor das Geschäft an und sorgten dafür, dass die Flugzeugbauer von der Krise in Europa nicht stärker in Mitleidenschaft gezogen würden. Probleme drohten erst, falls sich in Asien und Nahost Rezessionstendenzen abzeichnen sollten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel wird die ILA am Dienstag eröffnen, ab Freitag steht die älteste Luftfahrtmesse der Welt dann auch Privatbesuchern offen. Mit knapp 1.250 Ausstellern aus 46 Ländern verzeichnet die Schau, die erstmals auf dem neuen Messegelände am künftigen Großstadtflughafen BER stattfindet, einen neuen Rekord.

Ein besonderes Augenmerk legt die ILA in diesem Jahr auf unbemannte Flugzeuge, sogenannte Drohnen. Größter Einzelaussteller wird erneut die Bundeswehr sein. Auch der US-Luftfahrtriese Boeing kehrt mit seinem zivilen Programm erstmals seit zehn Jahren nach Berlin zurück. Die mehrfach verschobene und inzwischen auf Oktober 2013 festgelegte Eröffnung des neuen Flughafens hat die ILA nach Enders' Worten nicht beeinträchtigt, es habe deswegen keine Absagen gegeben.

Enders, der auch Chef des europäischen Luftfahrtkonzerns EADS ist, sagte, allein dessen Tochter Airbus habe ein Auftragspolster von 4.500 Flugzeugen. „Das sind sechs Jahre Produktion - wenn wir dann noch mal ein Jahr hätten, wo wir theoretisch überhaupt keinen Auftragseingang hätten, wäre schon das keine Katastrophe.“

Die Rüstungsbranche stehe im Zeichen der starken Budget-Kürzungen in Europa, kurzfristig sei wegen der Schuldenkrise eine Steigerung der Verteidigungsausgaben nicht zu erwarten. Die Unternehmen reduzierten daher ihre Kapazitäten oder überprüften ihre Strategien. „Firmen, die sehr stark vom nationalen Auftraggeber abhängig sind, sind natürlich besonders gefordert, insbesondere Kapazitäten anzupassen oder ihr Geschäft zu internationalisieren“, sagte der BDLI-Chef. Die Industrie könne aber flexibel mit solchen Herausforderungen umgehen.

Mit Blick auf die zahlreichen kleinen Zulieferbetriebe in Deutschland, die in der Vergangenheit zu Zusammenschlüssen gedrängt worden waren, sagte Enders, seiner Einschätzung nach gehe es heute nicht mehr um eine nationale Konsolidierung. „Der Zug ist abgefahren“, erklärte er. Der Trend sei nun vielmehr, dass leistungsstarke deutsche Firmen von größeren, finanzstärkeren ausländischen Unternehmen gekauft würden.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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