Luftfahrt
Grüne Welle über den Wolken

Der europäische Luftraum soll künftig besser organisiert werden. Mit einer neuen Streckenordnung, einheitlichen Kontrollen und einer effizienten Satellitennavigation sollen die Kapazitäten des Luftraums verdreifacht werden. Die Airlines erhoffen sich erhebliche Gewinnzuwächse.

MÜNCHEN/FRANKFURT. Die europäische Industrie arbeitet mit Hochdruck an der Neuordnung des europäischen Luftraums. Unter Federführung der EADS wollen Airlines, Flugsicherungen und Flugzeughersteller ab 2012 eine komplett neue Infrastruktur für die Luftraumüberwachung installieren. "Da die Kapazität der meisten europäischen Flughäfen am Limit ist, brauchen wir dringend ein besseres Management des Luftraumes", sagt Gilles Grenier, der bei der EADS das Sesar-Projekt leitet.

Sesar ist eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte der europäischen Union. Ziel ist die Schaffung eines einheitlich kontrollierten Luftraumes, der die Jets über Satellitennavigation deutlich effizienter lenkt als heute. Die Planer hoffen, die Kapazität des vorhandenen Luftraumes bis 2020 um das Dreifache zu erhöhen und die Kosten für die Verkehrsüberwachung um die Hälfte zu senken.

"Für das Gesamtsystem werden Investitionen von 20 bis 30 Milliarden Euro notwendig sein" schätzt EADS-Manager Grenier. Der Luft- und Raumfahrtkonzern hofft auf Milliardenaufträge für neue Radarsysteme und Bodenkontrollen aber auch auf weiter gute Geschäfte seiner Flugzeugtochter Airbus. "Die Industrie hat großes Interesse an dem Projekt, wir wollen ja auch neue Flugzeuge verkaufen", sagt Grenier.

Das bisherige, national organisierte System der Flugsicherung ist längst an seine Grenzen gestoßen. Auf den europäischen Rennstrecken über den Ärmelkanal, den Beneluxstaaten und Norddeutschland sind die Kapazitäten total überlastet. Rund um die Drehkreuze Paris, Frankfurt und London fliegen die Jets immer öfter Ehrenrunden oder stauen sich am Boden. Nach Berechnungen der IATA summierten sich alleine im Jahr 2007 die durch die fragmentierte Überwachung verursachten Verspätungen auf 40 Jahre. Das bedeutete wiederum 468 Mio. unnötige Flugkilometer oder 16 Mio. Tonnen unnütz in die Atmosphäre geblasene Abgase.

Die Idee eines einheitlichen europäischen Luftraums wurde bereits in den 50er-Jahren geboren. Zwar wurde seitdem viel diskutiert, passiert ist dagegen kaum etwas. Stets prallten nationale Interessen aufeinander. Erst Ende der 90er-Jahre brachte die Europäische Kommission schließlich den so genannten Single European Sky (SES) auf den Weg. Die Idee: In einem ersten Schritt werden aus den derzeit 60 Luftraumkontrollstellen der 27 nationalen Flugsicherungen mehrere größere Einheiten gebildet, so genannte FABs oder "Functional Airspace Block".

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