Luftfahrt
Lufthansa nimmt BMI an die kurze Leine

Die Fluggesellschaft soll angeblich Start- und Landerechte verkaufen, um den hohen Liquiditätsbedarf zu decken. Auf diese Weise soll die Hälfte des Gesamtbedarfs in Höhe von 210 Millionen Euro gedeckt werden. Der Schritt ist der Beginn einer massiven Schrumpfkur bei BMI.
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FRANKFURT. Lufthansa gibt bei seinem Sorgenkind, der zugekauften British Midland Airways (BMI), kräftig Gas. Europas größte Fluggesellschaft will offenbar wesentliche Bilanzbereinigungen noch im Krisenjahr 2009 vornehmen. Unter anderem soll der britische Neuerwerb nach Brancheninformationen und Medienberichten Landerechte verkaufen, um damit einen Teil des eigenen Kapitalbedarfs zu decken.

Wie aus dem Jahresbericht von BMI für 2008 hervorgeht, haben die Briten für die kommenden Monate einen Liquiditätsbedarf von 190 Mio. britischen Pfund (rund 210 Mio. Euro). Die Hälfte davon wird nach Angaben von Lufthansa die Kranich-Airline übernehmen. Für die andere Hälfte müsse BMI aus eigener Kraft sorgen, heißt es in Frankfurt.

Die Daten zeigen, wie kritisch die Lage bei BMI mittlerweile ist. Einst galt das Unternehmen wegen der Start- und Landerechte (Slots) am chronisch engen Flughafen London Heathrow als Perle. Doch die bislang schwerste Krise in der Luftfahrtindustrie setzt den Briten zu. Im vergangenen Jahr flog BMI einen Verlust von 113 Mio. Euro ein. Auch in diesem Jahr bleiben die Zahlen rot, und selbst für 2010 kalkuliert das Lufthansa-Management mit einem Verlust von 50 Mio. Euro.

Der angedachte Verkauf von Slots ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Zum einen zeigt er die wirtschaftlichen Nöte, in denen BMI steckt. Die Start- und Landerechte werden just zu einer Zeit abgegeben, in denen diese wegen der Krise nur noch ein Bruchteil dessen wert sein dürften als noch vor etwa zwei Jahren. Lange Zeit wurden diese Rechte in der BMI-Bilanz angeblich mit weit über einer Mrd. Euro angesetzt. Doch Ende 2008 standen sie nur noch mit umgerechnet gut 680 Mio. Euro in den Büchern. Die neue Mutter Lufthansa drängt angeblich sogar darauf, die Slots gar nicht mehr bilanziell zu aktivieren. Zum anderen wird damit deutlich, dass das Geschäft von BMI dauerhaft schrumpfen soll. Weniger Slots bedeuten auch weniger Verkehrsleistung. Eine rasche Rückkehr zur früheren Kapazität ist schwer vorstellbar. Slots werden in der Branche gehütet wie der Augapfel, einmal verlorene sind kaum zurückzuerobern.

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