Luftfahrt
Ryanair will sich Aer Lingus schnappen

Jetzt soll es aber klappen: Der Billigflieger Ryanair unternimmt einen weiteren Anlauf, den irischen Konkurrenten Aer Lingus zu übernehmen. So soll den großen Fluglinien Paroli geboten werden. Aber die Chancen stehen schlecht.

HB LONDON. Ein Treffen mit Regierungsvertretern in Irland und mit dem Management von Aer Lingus sei gefordert worden. Ryanair hatte bereits vor zwei Jahren versucht, Aer Lingus zu übernehmen. Damals untersagte allerdings die EU-Kommission aus Wettbewerbsgründen das Angebot von rund 1,5 Mrd. Euro. Ryanair besitzt derzeit bereits 29,8 Prozent der Aer Lingus Aktien.

Europas größter Billigflieger Ryanair startet einen zweiten Versuch, den kleineren irischen Konkurrenten Aer Lingus zu übernehmen. Das Angebot beläuft sich auf etwa 748 Mio. Euro. Pro Aer-Lingus-Aktie würden 1,40 Euro geboten, teilte Ryanair am Montag mit. Die beiden irischen Fluglinien sollten zu "einer starken irischen Gruppe" fusioniert werden, um Europas Fluggesellschaften Lufthansa, Air France und British Airways Konkurrenz zu machen, erklärte Ryanair-Chef Michael O'Leary. Beide Marken sollten nach den Plänen erhalten bleiben.

Ein Treffen mit Regierungsvertretern in Irland und mit dem Management von Aer Lingus sei gefordert worden. Ryanair hatte bereits vor zwei Jahren versucht, Aer Lingus zu übernehmen. Damals untersagte allerdings die EU-Kommission aus Wettbewerbsgründen das Angebot von rund 1,5 Mrd. Euro. Ryanair besitzt derzeit bereits 29,8 Prozent der Aer Lingus Aktien.

Bereits 2006 wollte der irische Branchenführer den heimischen Rivalen kaufen. Allerdings setzte die EU-Kommission dem Vorhaben ein vorläufiges Ende, als sie die Fusion blockierte. Ebenso hatten sich damals die Angestellten und die irische Regierung, die insgesamt rund 40 Prozent der Anteile halten, gegen den Zukauf ausgesprochen. Auch diesmal muss sich der Billigflieger auf Widerstand einstellen. Aer Lingus empfahl seinen Aktionären am Montag, zunächst nicht auf die Offerte zu reagieren.

Ryanair-Chef Michael O'Leary zeigte sich dennoch zuversichtlich. Das wirtschaftliche und kartellpolitische Umfeld habe sich seit dem vergangenen Übernahmeversuch massiv verändert, sagte er. „Aer Lingus wurde als kleine, eigenständige, regionale Fluggesellschaft außen vor gelassen, während die meisten anderen europäischen Fluggesellschaften fusionieren.“

In der europäischen Luftfahrtbranche treiben hohe Treibstoffkosten und die sinkende Nachfrage nach Flugreisen die Konsolidierung voran. Die Deutsche Lufthansa steht nach dem Einstieg bei Brussels Airlines vor der Übernahme von Austrian Airlines und der britischen bmi. Mit dem größeren Konkurrenten Air France-KLM wetteifert Lufthansa zudem um eine Beteiligung an der neuen Alitalia. Die dritte große Fluggesellschaft British Airways will den spanischen Konkurrenten Iberia schlucken. Andere wie die skandinavische SAS sind noch auf der Suche nach einem starken Partner.

Angesichts der Fusionswelle macht sich Ryanair nun offenbar neue Hoffnung auf grünes Licht von der EU. Die Zustimmung der Belegschaft will O'Leary mit einem massiven Ausbau der Kurzstrecke gewinnen. Im Zuge der Übernahme soll diese Flotte in den kommenden fünf Jahren auf 66 von 33 Maschinen anwachsen. Dadurch entstünden 1000 neue Arbeitsstellen. Die irische Regierung erhalte bei einem Erfolg des Angebots mehr als 188 Mio. Euro in bar, warb O'Leary für die Übernahme. Insgesamt will der Firmenchef auf mindestens 90 Prozent der Aktien kommen, dies sei Bedingung für den Zukauf. Nach dem ersten erfolglosen Übernahmeversuch hält Ryanair bereits knapp 30 Prozent der Anteile.

In Reaktion auf das Übernahmeangebot von Ryanair sind die Aktien der irischen Fluggesellschaft Aer Lingus am Montag nach oben geschnellt. Die Titel stiegen in der Spitze um knapp 17 Prozent auf 1,31 Euro. Ryanair hält bereits 29,8 Prozent an Aer Lingus und bietet nun 1,40 Euro je Aktie in Cash. „Angesichts des aktuellen Wirtschaftsumfelds und der sich eintrübenden Aussichten scheint das der einzige Weg für eine nachhaltige Geschäftsentwicklung und den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit zu sein“, sagte ein Händler mit Blick auf beide Fluglinien.

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