Luftfahrtbranche
AUA bereitet eigenen Verkauf vor

Die Übernahme der österreichischen Fluggesellschaft Austrian Airlines (AUA) rückt unaufhaltsam näher. Gestern kündigte AUA an, dass es Mitte Juli eine außerordentliche Hauptversammlung der Aktionäre geben wird.

WIEN. Auf diesem Treffen in Wien sollen die Anteilseigner von Österreichs früherer Staats-Airline alle notwendigen Satzungsänderungen beschließen, damit die Übernahme wie geplant über die Bühne gehen kann. Entscheidend ist aber die Zustimmung der EU-Kommission in Brüssel: Sie wird den AUA-Kauf durch Lufthansa wahrscheinlich ebenfalls im Juli durchwinken.

"Mit der außerordentlichen Hauptversammlung liegt alles im Zeitplan", sagte gestern eine AUA-Sprecherin in Wien. Das Unternehmen schaffe alle Voraussetzungen für die Übernahme, sobald die Freigabe aus Brüssel vorliege.

Die Hauptversammlung wird Änderungen an der AUA-Satzung beschließen, auf die vor allem die österreichische Seite gedrängt hatte. So soll beispielsweise festgelegt werden, dass der Unternehmensname "Austrian" unbedingt erhalten bleibt. Am Unternehmenssitz darf künftig auch der neue Eigentümer Lufthansa nicht rütteln - Heimatbasis der AUA bleiben Wien und der Wiener Flughafen Schwechat.

Auf der außerordentlichen Hauptversammlung sollen die AUA-Aktionäre außerdem grünes Licht für eine Kapitalerhöhung geben. Geplant sind gut 132 Millionen Euro, die Hälfte des Grundkapitals. AUA kann eine Kapitalzufuhr durch den wahrscheinlichen neuen Mutterkonzern Lufthansa sehr gut gebrauchen. Durch die aktuelle Krise der Luftfahrtbranche war AUA an die Grenzen der Zahlungsfähigkeit gekommen. Ende vergangenen Jahres musste der österreichische Staat mit einem Notkredit über 200 Millionen Euro aushelfen, damit AUA den Flugbetrieb überhaupt aufrecht erhalten konnte. Die Regierung in Wien war mit einem Anteil von gut 42 Prozent der AUA-Aktien bislang der größte Einzelaktionär der Fluggesellschaft.

Wegen des sehr schlechten operativen Geschäfts ist Austrian Airlines auf die Übernahme durch die Lufthansa angewiesen. Die Passagierzahlen des Unternehmens sind auch im Mai weiter gefallen.

Nach den gestern von AUA veröffentlichten Daten nutzen im vergangenen Monat etwa 855 000 Menschen Flugzeuge von AUA - ein Minus gegenüber dem Vorjahresmonat von knapp 13 Prozent. Vor allem im Geschäftsreiseverkehr nach Osteuropa sind die Flugzeuge vergleichsweise leer geblieben. Zum Vergleich: Lufthansa verbuchte im Mai einen Passagierrückgang von nur gut vier Prozent.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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