Luftfahrtbranche
Bei den Fluglinien fallen die Tabus

Die schwerste Krise der Luftfahrtbranche führt bei den Fluggesellschaften zum Umdenken. Die großen europäischen Airlines wollen die massiven Einbrüche im Passagier- und Frachtgeschäft nutzen, um an Tabuthemen heranzugehen. Mit der Debatte über Kosten und Strukturen kommt nun auch die Frage nach der strategischen Positionierung auf den Tisch.

FRANKFURT. Dabei geht es vor allem um die von Experten seit langem kritisierten hohen Kosten, mit denen Anbieter wie Air France-KLM, Lufthansa oder British Airways (BA) arbeiten.

„Die aktuell starke Krise wird genutzt, um an Kostenstrukturen zu gehen, an die man in guten Zeiten nicht herankommt“, sagt Frank Skodzik, Luftfahrtexperte der Commerzbank. Vor allem die Manager von BA und Lufthansa haben ihre Mitarbeiter in den zurückliegenden Wochen auf harte Einschnitte eingeschworen. So schrieb der designierte Lufthansa-Chef Christoph Franz an die Mitarbeiter, dass nicht die Krise die Ursache für die schwierige Situation sei. Sie mache nur schonungslos deutlich, wo die Schwächen im Wettbewerb lägen: „Viele Wettbewerber produzieren heute zu deutlich günstigeren Kosten als wir und können mit günstigen Preisen wichtige Kundengruppen von uns abwerben.“ Nun soll in der Zeit bis 2011 eine Mrd. Euro eingespart werden.

Die Aussagen zeigen, wo der Schuh drückt: In Zeiten wegbrechender Premium-Kunden – vor allem hier verdienen die großen Linienfluggesellschaften ihr Geld – schauen deren Manager neidvoll auf die Kostenbasis der Billig-Konkurrenz. Die jüngsten Quartalsberichte zeigen, dass die Personalkosten bei Ryanair zehn Prozent des Umsatzes ausmachen. Lufthansa dagegen kommt auf fast 28 Prozent, Air France-KLM sogar auf gut 36 Prozent.

Zwar ist das Niveau von Ryanair für Lufthansa unerreichbar. „Ein Netzwerk-Carrier wird niemals an die Kostenbasis einer Ryanair oder Easyjet herankommen“, sagt Skodzik. „Das geht schon alleine wegen des Geschäftsmodells nicht.“

Low-Cost-Anbieter fliegen von Punkt zu Punkt und hier möglichst häufig pro Tag. Es gibt also keinen Umsteigerverkehr wie in einem Netzwerk.

Dennoch halten Branchenkenner es für dringend geboten, die Krise dazu zu nutzen, seit Jahren nicht abgestellte Sünden in der Tarif- und Unternehmensstruktur zu beenden. „Die großen Netzwerk-Anbieter, haben seit Jahren viel zu hohe Kosten an Bord. Das betrifft das Thema Tarife, das betrifft aber auch die vielfach aufgeblähten Abläufe und internen Strukturen“, sagt ein Airline-Berater.

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