Luftfahrtbranche
Billigflieger überschreiten ihren Zenit

Jahrelang war ihr Erfolgsrezept: mehr Passagiere und weniger Kosten. Doch allmählich zeigen sich die Grenzen dieses Geschäftsmodells. Ryanair oder easyJet weisen zwar steigende Passagierzahlen auf. Aber die Spielwiese beim Kostensparen wird immer kleiner, die meisten Trümpfe sind schon ausgespielt.
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FRANKFURT. Die Drohung ist unverhohlen. Wenn der Flugzeughersteller Boeing bei den Konditionen für neue Flieger nicht einlenke, werde er die Partnerschaft beenden, tönte Michael O´Leary gestern. "Es ergibt keinen Sinn, in einem Umfeld mit sinkenden Erlösen schnell zu wachsen, wenn unserer wichtigster Flugzeuglieferant nicht willens ist, seinen Teil zu unserem Kostensenkungsprogramm beizutragen", sagte der Ryanair-Chef.

Um immerhin 200 Maschinen, die zwischen 2013 und 2016 abgenommen werden sollen, geht es. "Wenn der Boeing-Deal nicht klappt, gibt es immer noch Airbus", sagte Tracey McCann, Finanzmanagerin des Unternehmens, und fügte hinzu: "Oder wir denken an eine Ausschüttung unserer Mittel über eine Dividende."

Investoren sind erstaunt über defensive Aussagen von Ryanair

Viele Investoren rieben sich daraufhin verwundert die Augen. "Man darf gespannt auf die Marktreaktionen sein. Die meisten Ryanair-Investoren sind wegen der Wachstumsstory eingestiegen, nicht wegen einer Dividende", maulte Manoj Ladwa von ETX Capital. "Reines Pokerspiel in Richtung Boeing", mutmaßt dagegen ein anderer Branchenkenner.

Passen würde Letzteres, schließlich ist Ryanair-Gründer O?Leary bekannt für den Einsatz beinharter Druckmittel, die manchmal an Erpressung erinnern. So verhinderte er am Flughafen Hahn die Einführung einer Passagiergebühr durch die Drohung, seine Flieger aus dem Hunsrück abzuziehen. Dennoch steckt hinter den Äußerungen mehr als nur Politik. Sie sind ein Indikator dafür, dass das Geschäftsmodell der Low Cost Carrier seinen Zenit erreicht.

Die Rezeptur der Billigflieger ist simpel. Während immer mehr Passagiere mit günstigen Angeboten in die Flieger gelockt werden, drücken immer neue Sparprogramme die Ausgaben. Das Ergebnis sind für die Branche atemberaubende Margen. So erreicht Ryanair einen Wert von 22 Prozent, bezogen auf das Verhältnis von Nettoergebnis zu Umsatz. Lufthansa kommt in guten Zeiten auf sechs Prozent und liegt damit unter den Netzwerkanbietern schon an der Spitze.

Die erste Zutat im Low-Cost-Rezept funktioniert nach wie vor blendend, in der Krise sogar besser denn je. Die Zahl der Passagiere steigt und steigt. Ryanair etwa beförderte zwischen April und September 36,4 Millionen Fluggäste, ein Plus von 15 Prozent. Konkurrent easyJet, der an diesem Donnerstag aktuelle Verkehrszahlen vorlegen wird, hatte zuletzt ein Plus von 2,9 Prozent bei den Passagieren. Anders sieht dagegen die Situation beim Kostendrücken aus, der zweiten Zutat im Erfolgsrezept der Low Coster. Zwar schnellte das Nachsteuerergebnis von Ryanair im letzten Quartal um 80 Prozent auf 387 Mio. Euro in die Höhe. Doch das liegt vor allem an niedrigen Treibstoffkosten, die um 42 Prozent unten denen des Vorjahreszeitraums lagen.

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