Luftfahrtbranche
Führung von Czech Airlines geht im Streit

An der Spitze der finanziell klammen tschechischen Fluggesellschaft CSA rumort es: Der bisherige Vorstandsvorsitzende Radomir Lasak ist nach einem Streit über das Sparprogramm zurückgetreten. Auch der erst vor wenigen Wochen von der Regierung in Prag eingesetzte Aufsichtsratsvorsitzende Vaclav Novak zieht sich zurück.

WIEN. Die unter hohen Verlusten leidende staatliche tschechische Fluggesellschaft CSA wird von einer neuen Führungskrise erschüttert. Der bisherige CSA-Vorstandsvorsitzende Radomir Lasak ist am Montag nach einem Streit über das Sparprogramm zurückgetreten. Auch der erst vor wenigen Wochen von der Regierung in Prag eingesetzte Aufsichtsratsvorsitzende Vaclav Novak hat sein Amt zur Verfügung gestellt. Neuer Chef der CSA wird Miroslav Dvorak, der Direktor des Prager Flughafens. Nach dem Willen der Regierung soll Dvorak zunächst beide Unternehmen leiten.

Der bisherige CSA-Vorstandschef Lasak hatte noch am Montag ein neues Sparprogramm ausgehandelt. Die Übereinkunft mit Piloten und Flugbegleitern sah vor, dass das Unternehmen im Jahr umgerechnet etwa 25 Mio. Euro gespart hätte. Der Regierung reichen diese Einsparungen aber nicht, sie verlangt weitergehende Kürzungen. Der neue Aufsichtsratsvorsitzende Miroslav Zamecnik forderte, dass die CSA-Beschäftigten einen etwa doppelt so hohen Sparbeitrag bei Löhnen und Gehältern leisten müssten. CSA-Chef Lasak, der vier Jahr an der Spitze der Gesellschaft gestanden hatte, trat daraufhin von seinem Amt zurück. Er bezeichnete das Sparprogramm, das er noch am Morgen ausgehandelt hatte, als ausreichend für das Überleben der Airline. Der neue Aufsichtsratschef will jetzt neue Gespräche mit den Gewerkschaften von Piloten und Flugbegleitern beginnen.

Unabhängig von den Gehaltskürzungen wird die Fluggesellschaft ihren Sparkurs bei Flugzeugen und Personalbestand fortsetzen. Ein Teil der Flotte soll verkauft werden. Schon der bisherige Chef Lasak hatte angekündigt, dass etwa 900 von 4 500 Beschäftigten gehen müssen. Das Unternehmen leidet unter dem massiven Einbruch des Flugverkehrs. Die tschechische Regierung ist jetzt aber nicht mehr gewillt, Verluste des Unternehmens mitzutragen.

Ursprünglich sollte die CSA in diesem Jahr privatisiert werden. Da sich aber nur ein Bieter für das Unternehmen interessiert, fordern Politiker inzwischen die Einstellung des Privatisierungsprozesses. Die Berufung des Prager Flughafenchefs Dvorak an die Spitze der CSA könnte der erste Schritt sein für eine Verschmelzung beider Unternehmen. Dem tschechischen Staat gehören 92 Prozent der Airline.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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