Luftfahrtbranche
Lufthansa profitiert von der niedrigeren Sprit-Rechnung

Die Fluggesellschaft Lufthansa profitiert stark von den gefallenen Rohölpreisen. Für das laufende Jahr kalkuliert Finanzchef Stephan Gemkow mit einer Kostenersparnis gegenüber dem Vorjahr von immerhin 2,2 Mrd. Euro. Ins Jubeln gerät er über die finanzielle Entlastung jedoch nicht.

FRANKFURT. "Ich warne davor, dies überzubewerten. Der niedrige Ölpreis spiegelt die dramatisch eingebrochene Nachfrage wider, die sich eben auch deutlich auf unsere Verkehrsleistung auswirkt und weiterhin auswirken wird", sagt Gemkow.

Anders ausgedrückt: Zwar spart der Kranich eine erhebliche Summe in seiner jährlichen Aufwandsrechnung, sollte der Ölpreis dauerhaft niedrig bleiben. Die Lufthansa-Experten kalkulieren derzeit mit einem Ölpreis im Termingeschäft von 50,44 Euro pro Barrel sowie einem Wechselkurs von 1,26 Dollar je Euro. Doch da gleichzeitig der Umsatz etwa im Passagier- und im Frachtverkehr sinken wird, wird dieser positive Effekt teilweise wieder kompensiert.

Dennoch ist ein niedriger Ölpreis für Lufthansa grundsätzlich eine gute Nachricht. Die Geschäftszahlen des Unternehmens werden stark von steigenden oder sinkenden Preisen beeinflusst. Im abgelaufenen Geschäftsjahr musste der Kranich satte 5,4 Mrd. Euro für Kerosin berappen. Das waren fast 40 Prozent oder 1,5 Mrd. Euro mehr als im Jahr zuvor. Die Rechnung für den Treibstoff machte damit fast 40 Prozent des gesamten Materialaufwands von Lufthansa und immer noch 20 Prozent des Konzernaufwands überhaupt aus. Zwar erhöhte sich die verbrauchte Menge, etwa durch mehr Flüge im Konzern sowie die bilanzielle Erstkonsolidierung der Tochter Swiss, doch der Löwenanteil des Mehrbedarfs ging auf die gestiegenen Preise zurück.

Eigentlich wären die Mehrkosten sogar noch höher gewesen, nämlich 2,55 Mrd. statt 1,5 Mrd. Euro. Allerdings sichert sich Lufthansa traditionell umfassend über Hedging-Instrumente gegen starke Preisschwankungen ab. Dabei setzt der Konzern auf Werkzeuge, die nicht einen festen Preis zugrunde legen, sondern eine Bandbreite. Dadurch profitiert das Unternehmen trotz Absicherung zumindest teilweise, wenn der Preis nachgibt. Im vergangenen Jahr sparte Lufthansa dadurch 584 Mio. Euro an Treibstoffkosten. Weitere 448 Mio. Euro kamen durch Währungseffekte hinzu, da der Dollar gegenüber dem Euro eingebüßt hat. "Die Sicherungsgeschäfte und der Währungseffekt kompensierten fast die Hälfte des Preisanstiegs", sagte Finanzchef Gemkow.

Auch im laufenden Jahr nutzt Lufthansa das Hedging - trotz des niedrigen Rohölpreises. Derzeit hat das Unternehmen 65 Prozent des kalkulierten Bedarfs abgesichert. Dadurch zahlt der Konzern aktuell zwar etwas mehr als den Marktpreis. Sollte der Ölpreis auf dem aktuellen Niveau von etwa 45 Dollar pro Barrel verharren, wären das zum Beispiel zehn Prozent mehr. "Dennoch werden wir in hohem Maße vom niedrigen Ölpreis-Niveau profitieren. Das vergangene Jahr zeigt: Unsere strukturierte Methodik macht sich bezahlt", sagt Gemkow.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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