Luftfahrtbranche
Ölpreisrutsch macht Airlines wenig Freude

Die Halbierung der Rohölpreise seit dem Sommer hat viele Unternehmen auf dem falschen Fuß erwischt. Insbesondere gilt das für die Luftfahrtbranche, die sich mit umfangreichen Hedging-Geschäften gegen steigende Preise abgesichert hat.

dih/ebe/jkn LONDON/FRANKFURT/NEW YORK. Die Fluggesellschaften profitieren nun entweder kaum von sinkenden Preisen oder müssen gar hohe Buchverluste hinnehmen. Für europäische Unternehmen bringt der Ölpreisverfall insgesamt weniger Entlastung als für US-Konzerne, weil gleichzeitig der Dollarkurs gegenüber dem Euro gestiegen ist.

Den größten Anteil an den Gesamtkosten macht der Ölpreis für die Luftfahrtbranche aus. Sie rutschte deshalb auch in eine Krise, als sich die Treibstoffkosten innerhalb eines Dreivierteljahres verdoppelten. Dieser Schock veranlasste auch bisher abstinente Unternehmen, sich mit Hedging-Geschäften gegen weitere Preissprünge abzusichern. Doch das ging in mehreren Fällen schief.

In den USA haben sich einige große Branchenvertreter mit Absicherungs-Strategien verspekuliert. Der Lufthansa-Partner United Airlines räumte im dritten Quartal Hedging-Verluste von 519 Mio. Dollar ein. Zuvor hatten mit Southwest, Continental und Alaska Airlines schon drei weitere Fluggesellschaften teils gravierende Abschreibungen auf Hedging-Kontrakte vorgenommen. Der Billigflieger Southwest, der sich selbst nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 in der Gewinnzone hielt, wies deshalb den ersten Quartalsverlust seit 17 Jahren aus. Eine Wertkorrektur von 247 Mio. Dollar trieb das Nettoergebnis mit 120 Mio. Dollar ins Minus.

In Europa schreibt die Southwest-Kopie Ryanair eine lange Geschichte missglückter Hedging-Operationen fort. Das Unternehmen sicherte für September 90 Prozent seines Bedarfs zu 129 Dollar je Barrel und für Oktober bis Dezember 80 Prozent zu 124 Dollar ab. Damit bezahlt es jetzt fast den doppelten Marktpreis. Zuviel zahlt auch British Airways: Für das laufende Quartal haben die Briten 80 Prozent des Bedarfs zu 96 Dollar gehedgt.

Easyjet hingegen wird nach Angaben eines Sprechers weitaus stärker vom Ölpreisverfall profitieren: Der Billigflieger hat nur knapp die Hälfte seines Kerosinbedarfs vorab eingekauft und sich zudem einen günstigeren Dollarkurs gesichert.

Ebenso wie Easyjet verfolgt auch die Lufthansa eine langfristige Absicherungspolitik. Sie sichert ihren Kerosinbedarf zu 85 Prozent durch Hedging ab. Neben der Absicherung gegen Preisausschläge nach oben arbeitet sie mit Optionen, über die sie von sinkenden Preisen profitiert. Zu konkreten Preisen machte sie ebenso wenig Angaben wie die Reisekonzerne Thomas Cook und Tui Travel, die nach eigenem Bekunden für jeweils mehr als 90 Prozent ihres Treibstoffbedarfs Hedging-Geschäfte betreiben.

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