Luftfahrtbranche
SAS stürzt immer tiefer

Die skandinavische Fluglinie hat Verluste eingeflogen - dank ihrer spanischen Tochter Spanair. Wie andere notleidende Airlines steht nun eine Rettung durch die deutsche Lufthansa im Raum.

STOCKHOLM. Die skandinavische Fluggesellschaft SAS fliegt immer tiefer in die roten Zahlen: Für das dritte Quartal dieses Jahres weist die Airline einen Verlust von 1,8 Mrd. Kronen (178 Mio. Euro) aus. Das war noch etwas schlechter, als Analysten erwartet hatten.

Grund für die tiefroten Zahlen sind nach SAS-Angaben hohe Abschreibungen bei der spanischen Tochtergesellschaft Spanair sowie die Konjunkturflaute. SAS-Chef Mats Jansson kündigte in Stockholm ein neues Sparprogramm an: Zwischen 2009 und 2011 will die von Dänemark, Norwegen und Schweden betriebene Fluggesellschaft drei bis vier Mrd. Kronen einsparen.

Medienberichte, nach denen die Lufthansa vor einer Übernahme der SAS stünde, bestätigte Jansson nicht. Zwar suche sein Konzern nach "strategischen Lösungen", doch sei kein Abkommen mit irgendeinem Konkurrenten unterzeichnet worden, sagte er.

Analysten in Stockholm bezweifelten, dass die Lufthansa tatsächlich ein ernsthaftes Interesse an der SAS habe. "In so einem Fall wäre ein Abkommen längst unter Dach und Fach", sagte einer von ihnen. Außerdem würde die Lufthansa einen Konzern übernehmen, der seit Jahren unter seiner Eignerstruktur leidet. Die drei skandinavischen Länder halten insgesamt rund 50 Prozent der SAS.

Die Beschäftigten stammen aus den drei Ländern. Deshalb muss die Airline derzeit ihre Tarifverhandlungen mit insgesamt 39 Gewerkschaften führen. Langwierige Streiks waren in der Vergangenheit die Folge. Neben der Lufthansa wurde zuletzt auch die British Airways als eventueller Interessent an der SAS genannt. Weder Lufthansa noch British Airways haben bislang offiziell ein Interesse an der angeschlagenen skandischen Fluggesellschaft bekundet.

Der Käufer würde eine Airline übernehmen, die allein in diesem Jahr einen Verlust von insgesamt 4,2 Mrd. Kronen eingeflogen hat. Außerdem benötigt die SAS dringend Kapital, um ihre veraltete Flugzeigflotte zu erneuern. Dafür werden mindestens 20 Mrd. Kronen gebraucht. Und noch sieht SAS-Chef Jansson keine Entwarnung:: "Die Krise in der Flug-Branche schlägt unbarmherzig zu". Diese Aussichten dürfte potenzielle Käufer abschrecken.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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