Lufthansa-Aufsichtsrat
Investoren bringen Mayrhuber zu Fall

Der Rückzug wirft Fragen auf: Warum wird Wolfgang Mayrhuber nicht Chefaufseher der Lufthansa? Liegt es an den Corporate-Governance-Regeln oder den mächtigen Großinvestoren? Und wer übernimmt den Job jetzt?
  • 1

DüsseldorfWolfgang Mayrhuber erschüttert die Lufthansa. Der designierte Nachfolger von Jürgen Weber an der Aufsichtsratsspitze der Airline zieht seine Kandidatur für das Gremium nur einen Tag vor der Hauptversammlung zurück – und stürzt die Fluggesellschaft damit in die nächste Krise. Noch am Montag soll der Aufsichtsrat des Unternehmens tagen und einen neuen Personalvorschlag präsentieren.

Wer Weber nachfolgen wird, ist unklar. Einen klaren Favoriten gibt es offenbar nicht. Ein Kandidat ist Jürgen Hambrecht. Der ehemalige Vorstandschef des Chemieriesen BASF sitzt seit 2008 im Aufsichtsrat der Lufthansa und gehört dem Präsidium an. Dort ist er neben Weber der einzige Vertreter der Kapitalseite. Aber auch Werner Brandt wird gehandelt: Der Manager will sich im kommenden Jahr als SAP-Finanzvorstand zurückziehen und ist ebenfalls seit fünf Jahren Aufseher der Lufthansa.

Sollte sich der Aufsichtsrat auf die Schnelle nicht auf einen Vorschlag einigen können, wäre auch er noch einmal eine Alternative: Jürgen Weber. Der Manager will die Lufthansa nach 46 Jahren im Unternehmen eigentlich verlassen. Der langjährige Vorstandschef (1991 bis 2003) ist seit zehn Jahren Chefaufseher der Airline – und bereits 71 Jahre alt. Weber hatte sich Mayrhuber als Nachfolger gewünscht und würde wohl nur einer Interimslösung zustimmen.

Der Rückzug kommt einer kleinen Revolution gleich. „Wolfgang Mayrhuber hat wegen der Kritik aus Aktionärskreisen (...) erklärt, nicht für das Amt zur Verfügung zu stehen“, teilte die Fluggesellschaft mit. Die bei der Lufthansa engagierten Großinvestoren haben offenbar den Druck soweit erhöht, dass der Österreicher schon vor Amtsantritt keinerlei Rückhalt verspürte.

Im vergangenen Jahr waren mehrere Fonds bei der Lufthansa eingestiegen. Die amerikanische Investmentgesellschaft The Capital Group Companies hält gut fünf Prozent der Aktien, die kanadische MacKenzie Financial Corporation rund drei Prozent. Templeton Global stockte von drei auf fünf Prozent auf. Die Profi-Investoren lassen sich immer häufiger vom US-Aktionärsberater Institutional Shareholder Services (ISS) beraten. Dieser hat ebenfalls ein wichtiges Wort mitgeredet.

Die deutsche Fondsgesellschaft Union Investment hält ein Prozent der Anteile – und äußert ihre Kritik offen: „Wir finden die Entscheidung richtig und hätten Wolfgang Mayrhuber nicht in den Aufsichtsrat gewählt“, sagt Ingo Speich zu Handelsblatt Online.

Seite 1:

Investoren bringen Mayrhuber zu Fall

Seite 2:

Interessenskonflikte trotz „Abkühlzeit“?

Kommentare zu " Lufthansa-Aufsichtsrat: Investoren bringen Mayrhuber zu Fall"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ich würde jetzt Stephan Gemkow bitten, den AR Vorsitz zu übernehmen

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%