Lufthansa-Aufsichtsrat Weber
„Die Lage ist bedrohlich“

Die Lufthansa hat im ersten Quartal einen operativen Verlust eingeflogen, mit dem selbst Analysten nicht gerechnet hätten. Nun meldet sich Aufsichtsratschef Weber zu Wort - und warnt vor weiterer Verschuldung.
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FrankfurtIn der Debatte um den Kurs von Lufthansa hat sich erstmals Aufsichtsratschef Jürgen Weber zu Wort gemeldet. Und das überaus deutlich: „Die Lage ist bedrohlich“, sagte Weber der „Börsenzeitung“. Deutschlands größte Fluggesellschaft habe anders als bei der letzten Krise Anfang der Neunziger zwar keine 10,5 Milliarden Euro Schulden, aber immerhin 2,3 Milliarden. Wenn sich die Situation weiter so negativ entwickle, reiche der Mittelzufluss nicht mehr aus, „um die neuen Flugzeuge oder neue Schulden zu bezahlen“. Aus Sicht von Experten laviert der Konzern zwischen Premium- und Billig-Airline, wie das Handelsblatt jüngst unter der Überschrift „Der Irrflug“ berichtete.

Weber betonte noch einmal die Dringlichkeit des milliardenschweren Sparpakets. „Wir machen keine Irrflüge, aber die Situation ist ernst“, sagte Weber. „Ich trete wieder etwas stärker an die Öffentlichkeit, nicht weil ich dem Vorstand um Christoph Franz nichts zutraue, sondern weil ich helfen will.“

Denn die Lufthansa ist zum Jahresauftakt wegen der hohen Treibstoffpreise tief in die roten Zahlen geflogen. Operativ verbuchte die größte deutsche Fluggesellschaft in den ersten drei Monaten 2012 einen Verlust von 381 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Mittwochabend mitteilte. Vor einem Jahr war das Minus mit 169 Millionen Euro deutlich geringer ausgefallen. Der Umsatz stieg um sechs Prozent auf 6,6 Milliarden Euro.

Dass die die hohe Tankrechnung dieses Jahr auf der Bilanz lastet, hatte die Kranich-Airline bereits Mitte März angekündigt. Nach damaligen Angaben dürften die Kerosinausgaben 2012 um 1,2 Milliarden auf 7,5 Milliarden Euro steigen. Zu schaffen machte der Fluglinie im ersten Quartal zudem das Verbot nächtlicher Starts und Landungen an ihrer Heimatbasis am Frankfurter Flughafen sowie die Verluste der österreichischen Tochter Austrian Airlines.

Um gegenzusteuern und sich besser für den Wettbewerb mit Billigfliegern wie Ryanair und rapide wachsenden Rivalen wie Emirates zu rüsten, hatte die Lufthansa Anfang des Jahres ein radikales Sparprogramm aufgelegt. Konzernweit soll das Ergebnis bis 2014 mindestens 1,5 Milliarden Euro verbessert werden. In den vergangenen Wochen wurden scheibchenweise Details bekannt. So will das Management allein aus dem Lufthansa-Passagiergeschäft rund 900 Millionen Euro mehr herausholen - Entlassungen werden ausdrücklich nicht ausgeschlossen.

Die Kosten für das Sparpaket könnten der Lufthansa auch die Jahresprognose verderben, wie die Fluggesellschaft nun betonte. Zwar strebt die Lufthansa im Gesamtjahr weiterhin einen operativen Gewinn im mittleren dreistelligen Millionen-Bereich an. "Etwaige Restrukturierungskosten im Zusammenhang mit dem Konzernprogramm SCORE sind in dieser Ergebnisprognose nicht enthalten und können sich belastend auf das Ergebnis des laufenden Geschäftsjahres auswirken", hieß es aber. Seinen vollständigen Quartalsbericht will der Konzern mit weltweit 120.000 Mitarbeitern am Donnerstag vorlegen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt

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  • Mit dem was zusaetzlich - wohl auch im Zuge des Sparprogramms - an Verschlechterungen bei M&M gerade kommuniziert wird ist es doch wenig verwunderlich, wenn die Stammkunden langsam die Schnauze voll haben und auf Alternativen ausweichen. Die Abzocke (mit teilweise erschreckend unverschaemten Preisen im Gegensatz zur "Umsteigekonkurrenz") der direkten Business-Langstreckenverbindungen wird ja schon lange hin genommen, seine treuesten Kunden jetzt aber noch mit weniger Meilen und schlechterer Statuserreichung - das fuer diese zugegeben in diesem Hinblick verwoehnte Klientel "Heiligste" - zu bestrafen ist ein sehr gewagter Zug und m.E. sehr kontraproduktiv! Hier bewegt sich das Management um Herrn Dr. Franz wirklich auf gefaerlichen Pfaden (noch mehr Stammkunden zu verlieren). Mir (als Vielflieger seit viel und mit weiterhin viel Potential) reichts und ich habe begonnen umzusteigen und werde spaetestens nach der naechsten "Z" Buchungsklassenanpassung keine LH mehr buchen. Es gibt wunderbare - vom Produkt her um Laengen bessere und dazu auch noch gienstigere - Alternativen...

  • Herr Dr. Franz: Sie haben die Meilentabelle des Miles & More Loyalitaetsprogramms "angepasst", ich habe im Gegenzug mein Buchungsverhalten "angepasst" und bin auf andere Airlines umgestiegen.

  • war ja klar mit ex-Bahn-Vollversager und ex-Hausmann Franz an der Spitze.

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