Lufthansa-Aufsichtsrat Weber

„Die Lage ist bedrohlich“

Die Lufthansa hat im ersten Quartal einen operativen Verlust eingeflogen, mit dem selbst Analysten nicht gerechnet hätten. Nun meldet sich Aufsichtsratschef Weber zu Wort - und warnt vor weiterer Verschuldung.
Update: 03.05.2012 - 06:27 Uhr 16 Kommentare
Eine Maschine der Lufthansa am Flughafen von Frankfurt am Main. Quelle: dpa

Eine Maschine der Lufthansa am Flughafen von Frankfurt am Main.

(Foto: dpa)

FrankfurtIn der Debatte um den Kurs von Lufthansa hat sich erstmals Aufsichtsratschef Jürgen Weber zu Wort gemeldet. Und das überaus deutlich: „Die Lage ist bedrohlich“, sagte Weber der „Börsenzeitung“. Deutschlands größte Fluggesellschaft habe anders als bei der letzten Krise Anfang der Neunziger zwar keine 10,5 Milliarden Euro Schulden, aber immerhin 2,3 Milliarden. Wenn sich die Situation weiter so negativ entwickle, reiche der Mittelzufluss nicht mehr aus, „um die neuen Flugzeuge oder neue Schulden zu bezahlen“. Aus Sicht von Experten laviert der Konzern zwischen Premium- und Billig-Airline, wie das Handelsblatt jüngst unter der Überschrift „Der Irrflug“ berichtete.

Weber betonte noch einmal die Dringlichkeit des milliardenschweren Sparpakets. „Wir machen keine Irrflüge, aber die Situation ist ernst“, sagte Weber. „Ich trete wieder etwas stärker an die Öffentlichkeit, nicht weil ich dem Vorstand um Christoph Franz nichts zutraue, sondern weil ich helfen will.“

Denn die Lufthansa ist zum Jahresauftakt wegen der hohen Treibstoffpreise tief in die roten Zahlen geflogen. Operativ verbuchte die größte deutsche Fluggesellschaft in den ersten drei Monaten 2012 einen Verlust von 381 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Mittwochabend mitteilte. Vor einem Jahr war das Minus mit 169 Millionen Euro deutlich geringer ausgefallen. Der Umsatz stieg um sechs Prozent auf 6,6 Milliarden Euro.

Dass die die hohe Tankrechnung dieses Jahr auf der Bilanz lastet, hatte die Kranich-Airline bereits Mitte März angekündigt. Nach damaligen Angaben dürften die Kerosinausgaben 2012 um 1,2 Milliarden auf 7,5 Milliarden Euro steigen. Zu schaffen machte der Fluglinie im ersten Quartal zudem das Verbot nächtlicher Starts und Landungen an ihrer Heimatbasis am Frankfurter Flughafen sowie die Verluste der österreichischen Tochter Austrian Airlines.

Um gegenzusteuern und sich besser für den Wettbewerb mit Billigfliegern wie Ryanair und rapide wachsenden Rivalen wie Emirates zu rüsten, hatte die Lufthansa Anfang des Jahres ein radikales Sparprogramm aufgelegt. Konzernweit soll das Ergebnis bis 2014 mindestens 1,5 Milliarden Euro verbessert werden. In den vergangenen Wochen wurden scheibchenweise Details bekannt. So will das Management allein aus dem Lufthansa-Passagiergeschäft rund 900 Millionen Euro mehr herausholen - Entlassungen werden ausdrücklich nicht ausgeschlossen.

Die Kosten für das Sparpaket könnten der Lufthansa auch die Jahresprognose verderben, wie die Fluggesellschaft nun betonte. Zwar strebt die Lufthansa im Gesamtjahr weiterhin einen operativen Gewinn im mittleren dreistelligen Millionen-Bereich an. "Etwaige Restrukturierungskosten im Zusammenhang mit dem Konzernprogramm SCORE sind in dieser Ergebnisprognose nicht enthalten und können sich belastend auf das Ergebnis des laufenden Geschäftsjahres auswirken", hieß es aber. Seinen vollständigen Quartalsbericht will der Konzern mit weltweit 120.000 Mitarbeitern am Donnerstag vorlegen.

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16 Kommentare zu "Lufthansa-Aufsichtsrat Weber: „Die Lage ist bedrohlich“"

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  • Mit dem was zusaetzlich - wohl auch im Zuge des Sparprogramms - an Verschlechterungen bei M&M gerade kommuniziert wird ist es doch wenig verwunderlich, wenn die Stammkunden langsam die Schnauze voll haben und auf Alternativen ausweichen. Die Abzocke (mit teilweise erschreckend unverschaemten Preisen im Gegensatz zur "Umsteigekonkurrenz") der direkten Business-Langstreckenverbindungen wird ja schon lange hin genommen, seine treuesten Kunden jetzt aber noch mit weniger Meilen und schlechterer Statuserreichung - das fuer diese zugegeben in diesem Hinblick verwoehnte Klientel "Heiligste" - zu bestrafen ist ein sehr gewagter Zug und m.E. sehr kontraproduktiv! Hier bewegt sich das Management um Herrn Dr. Franz wirklich auf gefaerlichen Pfaden (noch mehr Stammkunden zu verlieren). Mir (als Vielflieger seit viel und mit weiterhin viel Potential) reichts und ich habe begonnen umzusteigen und werde spaetestens nach der naechsten "Z" Buchungsklassenanpassung keine LH mehr buchen. Es gibt wunderbare - vom Produkt her um Laengen bessere und dazu auch noch gienstigere - Alternativen...

  • Herr Dr. Franz: Sie haben die Meilentabelle des Miles & More Loyalitaetsprogramms "angepasst", ich habe im Gegenzug mein Buchungsverhalten "angepasst" und bin auf andere Airlines umgestiegen.

  • war ja klar mit ex-Bahn-Vollversager und ex-Hausmann Franz an der Spitze.

  • Mein Umsatzbeitrag an Lufthansa ist seit einigen Monaten auf Null zurueckgefallen, nicht weil ich nicht reisen muss, sondern weil sich LH aus Drittdestinationen/ Zubringerfluegen zurueckzieht oder Frequenzen abbaut.
    So bin ich frueher fast woechentlich in MUC umgestiegen, auch mal fuer 1 Euro pro KM Flugstrecke, leider mit maessigem Service bzgl. verpazten Anschluss Sicherstellen. Aber im Allgemeinen war ich sehr zufrieden, aber dann enstchied LH alles unter 70 Sitzen zu Kleinholz zu machen!
    2. Punkt sind Afrika-Fluege und Zubringer aus dem Alpenraum. Inzwischen ist der Umweg und die Frequenz via Mittleren OSten, die keiner mag, immer noch kuerzer und haeufiger als in FRA oder BRU uebernachten zu muessen. Auch beobachtete ich neulich in ADD dass LH einfach Fluege ausfielen liess (wieder nicht daily.)also musste ich zur Konkurrenz!
    In der jetzigen Debatte vermisse ich auch irgend ein Wort des jetzigen Managements bzgl. Ihrer Kunden. Was wollen wir? Gute Verbindungen zu passablem Preisen, auch auf Langstrecke. Wie waere es mit Eco+? Wir wollen auch nicht abgezockt werden, und das tut man aber auf Direktverbindngen, Business Langstrecke! Und dann sind da noch die strategischen Fehler der Vergangenheit! Ungebremstes Wachstum in FRA, die letzte Landebahn fuer die Konkurrenz, ein unuebersichtlischer Hub wo ich manchen Anschluss verpasst habe. Der Single Airport in BER den LH wollte anstatt in TXL weiter abzusahnen. Und VIE, BRU, da war ja auch noch kuerzlich Mailand,...
    Man hat viel Geld verplaempert und Mitarbeiter disqualifiziert: versuchen Sie mal umzubuchen oder eine Frage zu stellen, alles ist komplizierter als frueher,...Schade. Der deustche Steuerzahler hat den Laden in 1992/93 mal gerettet,...es muss eine neue Vision enstehen und Mitarbeiter und Kunden muessen mitgenommen werden. Ich weiss das Geschaeft ist schwierig, aber man sollte seine Errungenschften nicht einfach wegwerfen, jetzt wo die Wirtschaft in D auch noch angesprungen ist!

  • Ein wesentliches Problem der Lufthansa ist, dass seit ein paar Jahren, gerade die vielfliegenden Geschäftsreisenden (Frequent Traveler, Senatoren und Hon's) verprellt werden.

    Obwohl es allen Fachleuten klar war, dass man als LH mit den "Billiganbietern" nie konkurrieren oder gar Geld mit weniger Service verdienen kann, wurde in den letzten Jahren systematisch am Service sowie Komfort gespart.

    Des Weiteren wurde das Miles & More Programm, welches der Kundenbindung dienen soll, immer weiter ausgehöhlt.

    Als Folge sind immer mehr Geschäftsreisende auf andere Gesellschaften umgestiegen.

    Wenn die Politik der LH nicht schleunigst wieder geändert wird, sehe ich eine schwarze Zukunft für die LH.

  • daß die Grünen Autofahren zu einem knappen Gut machen wollen, ist für mich völlig logisch; die wollen die Autobahn für sich alleine haben. Der Malocher soll in die überfüllte, unpünktliche und dreckige S-Bahn.

  • K.MANN
    ....das ganze paßt schon lange nicht mehr zusammen; aber solange "das Fliegen" (Bau von Flughäfen und Flugzeugen sowie fast steuerfreies aber umso umweltschädlicheres KEROSIN) hinten und vorne subventioniert wird, kann sich einfach nichts ändern. Auf der anderen Seite darf der kleine Berufspendler aus Gründen des Umweltschutzes mit seinem Auto ohne grüne Plakette in viele Innenstädte nicht mehr einfahren. Frage?: Warum werden stadtnahe Flughäfen nicht mit in die "Umweltzone" einbezogen????

  • Na sowas,ein Dinosaurier aus dem Wirtschaftswundermäsozoikum!!!Ich dachte die wären längst ausgestorben.Na,da wird´s jetzt aber höchste Zeit!

  • 120 km/h auf Autobahnen ist pervers. Gehen Sie doch zu Fuß. Aber bitte atmen Sie nicht dabei. Sie würden sonst die Umwelt mit CO2 belasten. Besten Dank

  • Der Tourismus,speziell dieser stupide,rücksichtslose nur auf Gewinn optimierte Massentourismus,ist eine Erfindung des 20Jahrhunderts.Die Frage ist,braucht das wirklich jemand.Schauen sie sich die Massentouristenzentren an mit ihren zugebauten Küsten,die einst wunderschön waren.Südfrankreich West+Südspanien,Italien.Man bittet förmlich auf Knien,dass die Anreise demnächst wieder ein paar Tage dauern möge,wenn überhaupt.

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