Lufthansa-Billigflieger
Warum Eurowings in Wien landet

Die Lufthansa siedelt ihren neuen Billigflieger Eurowings in Wien an. Es ist eine strategische Entscheidung, die Europas größte Fluggesellschaft unabhängiger von Zwängen in der Heimat machen soll. Eine Analyse.
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FrankfurtDie neue Billig-Plattform von Lufthansa mit dem Namen Eurowings soll ihren Sitz in Wien haben. Ganz überraschend ist dieser Beschluss nicht. Schon bei der Vorstellung der Billigpläne hatte Lufthansa-Chef Carsten Spohr einen Sitz im Ausland als eine Option genannt. Die Entscheidung für Wien hat gute Gründe.

1. Die Mitbestimmung

Eine der wohl größten Hürden für Eurowings ist der Widerstand des fliegenden Personals, allen voran der Piloten. Die Vereinigung Cockpit , die Arbeitnehmer-Vertretung der Flugzeugführer, fürchtet, dass über Eurowings mittelfristig der für die VC so wichtige Konzerntarifvertrag (KTV) geschwächt wird. Der KTV sichert die Rechte und Privilegien der Lufthansa-Piloten, die im Branchenvergleich als sehr hoch gelten.

Die Sorge ist durchaus berechtigt. Konzernchef Spohr hat unmissverständlich klar gemacht, dass er mit beiden Plattformen Eurowings und Lufthansa taktieren will. Sollten die Piloten der Lufthansa zum Beispiel nicht zu Zugeständnissen bereit sein, würde künftig vor allem Eurowings wachsen, Lufthansa dagegen schrumpfen. Wien ist dabei ein entscheidender Baustein.

Denn klar ist: Will Spohr unter der Marke Eurowings künftig gut 100 Flugzeuge betreiben, braucht er auch neue Mannschaften für die Flieger. Für die in Wien stationierten Flugzeuge können die zum Beispiel von der dortigen Tochter Austrian Airlines kommen. Deren Cockpit-Personal ist mittlerweile bei der Billigtochter Tyrolean angestellt – natürlich zu entsprechend günstigen Konditionen. Der KTV spielt hier keine Rolle.

Mehr noch: Spohr kann so indirekten Druck auf die Vereinigung Cockpit ausüben. Denn er stärkt den Wettbewerb innerhalb der Lufthansa-Gruppe. Als das Management im Februar die Stationierung der beiden ersten Eurowings-Flugzeuge an der Donau bekanntgab, betonte man nicht ohne Hintergedanken, dass dies „auf Wunsch und in enger Absprache“ mit der Tochter Austrian geschehen sei. Die Botschaft an die Lufthansa-Kernmannschaft: Passt auf, bei den Tochtergesellschaften reißt man sich um die neuen Wachstumsmöglichkeiten.

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