Lufthansa Cargo für Privatkunden: Mit dem Motorrad abheben

Lufthansa Cargo für Privatkunden
Mit dem Motorrad abheben

Mit dem eigenen Motorrad die Route 66 in den USA befahren? Mit Lufthansa ist das ab Sommer kein Problem mehr. Passagiere können ihren „Bock“ von der Lufthansa Cargo abholen und in die USA transportieren lassen.

FrankfurtPrivatkunden – das war bislang nicht das Geschäfts von Peter Gerber. Doch der Vorstandschef der Lufthansa-Tochter Lufthansa Cargo will das ändern. „Wir werden für die Lufthansa-Passagiere ab Sommer einen direkten Lieferservice von Tür zu Tür starten“, sagte der Manager am Freitag in Frankfurt. Zuvor werde man das Angebot mit den eigenen Mitarbeitern testen, dann ab Sommer auf den Strecken zwischen Europa und Nordamerika starten. „Läuft es gut, werden wir auch nach Asien gehen“, sagte Gerber.

Das Angebot zielt nicht auf kleine Mitbringsel, etwa das Päckchen Pralinen. Dieses Geschäft der so genannten „Integratoren“ wie etwa DHL/Deutsche Post hat LH Cargo nicht im Blick. Es geht vielmehr um größere Waren. „Will jemand zum Beispiel mit seinem eigenen Motorrad die Route 66 befahren, kann er seine Maschine mit uns verschicken“, so Gerber. Ein weiteres Szenario: Jemand findet bei seinem US-Besuch einen schicken Oldtimer, kauft ihn und organisiert den Transport innerhalb weniger Minuten mit seinem Smartphone.

Denn das Buchen soll denkbar einfach sein. Über die Lufthansa-App können die Passagiere prüfen, ob das spezielle Frachtangebot auf der eigenen Verbindung verfügbar ist. Ist das der Fall, bekommt man sofort einen konkreten Preis genannt und kann direkt buchen. Für die Abholung und Auslieferung vor Ort will LH Cargo mit Logistikpartnern zusammenarbeiten.

„Der Versand eines Motorrades auf herkömmlichem Weg ist derzeit sehr komplex“, sagt Gerber. Zu den Preisen wollte er noch keine Angaben machen. „Natürlich ist Luftfracht nicht ganz billig, aber wir werden uns den Markt anschauen und wettbewerbsfähige Preise machen.“ Ein großes Geschäft erwartet der Manager nicht, es geht ihm vielmehr darum, noch freien Frachtraum zu vermarkten. Deshalb wird es auch keine Garantie geben, dass die Fracht auf demselben Flug ist wie der Passagier. Aber zeitnah, also innerhalb weniger Tage, soll die Lieferung erfolgen.

Für LH Cargo ist das Angebot Teil neuer Dienstleistungen im Zuge der eingeleiteten Digitalisierung. Die Frachtfluggesellschaft will sich darüber im beinharten Wettbewerb behaupten. Unter anderem wegen der großen Überkapazitäten im Luftfrachtmarkt und der Nachfrageschwäche etwa in China musste die Lufthansa-Tochter 2015 einen Umsatzrückgang von 3,3 Prozent auf 2,35 Milliarden Euro hinnehmen. Das Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sackte sogar um 40 Prozent auf 73,5 Millionen Euro ab.

Gleichzeitig passt das neue Privatkundenangebot in die Strategie der Muttergesellschaft. Auch Lufthansa arbeitet an neuen digitalen Services, von einem vereinfachten Einchecken und einer Aufgabe des Gepäcks über das Smartphone bis hin zu lokalen Angeboten am Flughafen wie etwa einem Zugang zu einer Lounge.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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