Lufthansa-Chef Franz
„Der Streik ist unverhältnismäßig“

Der scheidende Lufthansa-Chef Christoph Franz kritisiert den Verhandlungsstil der streikenden Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit. Auch einige Argumente der Piloten kann Franz nicht nachvollziehen.
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FrankfurtKein Verständnis zeigt Christoph Franz, der scheidende Vorstandschef der Lufthansa, für die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC). In Tarifverhandlungen seit es doch sehr wichtig, dass beide Seiten ihre Vorstellungen auf den Tisch legen und man dann darüber spricht, wie man einen für beide Seiten akzeptablen Kompromiss findet. „Dazu ist es leider nicht gekommen und deswegen finde ich den Streik unverhältnismäßig“, kritisiert er gegenüber dem Handelsblatt (Freitagsausgabe) den Verhandlungsstil der VC.

Auch das Argument der Piloten, wonach sie verzichten sollten, nur damit die Lufthansa-Aktionäre üppig bedient werden, ließ er nicht gelten. „Darf sich Sie daran erinnern, dass unseren Aktionäre im vergangenen Jahr gar keine Dividende bekommen haben“, stellte er klar. Als Fluggesellschaft stehe die Lufthansa im Wettbewerb mit anderen Unternehmen, die zum Teil viel größere Margen erzielen. Das hängt natürlich an der Branche. „Hier verdient niemand 25 Prozent wie viele Unternehmen der Softwarebranche etwa“, so Franz.

Zugleich sprach er sich zwar für das Streikrecht als Grundrecht aus, forderte aber auch eine Reform: „Es sollte aus unserer Sicht auch bei einem Streik eine Pflicht auf Mindestaufrechterhaltung der kritischen Verkehrsinfrastruktur geben, zu der ja auch die Bahn oder die Flugsicherung zählen“.

Explizit entschuldigte er sich bei den 425.000 Fluggästen, die in den drei Streiktagen betroffen sind, für die Ausfälle. „Gerade unsere Kunden von außerhalb Europas haben grundsätzlich wenig Verständnis für Streiks, speziell für wiederkehrende Streiks“, so Franz. Ihnen bleibe eher in Erinnerung, dass sie sich auf die Lufthansa nicht verlassen können, während andere Drehscheiben niemals von Streiks betroffen sind.

Kommentare zu " Lufthansa-Chef Franz: „Der Streik ist unverhältnismäßig“"

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  • Anstatt zu (ver-)urteilen, was verhältnismässig oder rechtens ist, könnte man auch fragen, warum eigentlich die Streikparteien keine Mediation in Anspruch nehmen. Wahrscheinlich ist der Leidensdruck bei den Beteiligten noch zu wenig hoch, bzw. es sind noch genügend (finanzielle) Mittel vorhanden, um sich zu bekämpfen... Beispiele erfolgreicher und erst noch kostengünstiger Mediationen zu diesem Thema gibt es bereits!

  • Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil.

    Die LH hat ja Alternativen:

    A- Die Streiker rauswerfen.

    B- Ausflaggen. Funktioniert bei Schiffen ja auch prima.

    C- Wenn sich der Bund querstellt, ihm den Koffer vor die Tür stellen.

  • Wenn Herr Franz ernsthaft der Auffassung ist, der Arbeitskampf sei unverhältnismäßig - und damit nach unserem Streikrecht unzulässig - muss er sich fragen lassen, warum er dann nicht mal den Versuch unternommen hat, den Streik per einstweiliger Verfügung zu stoppen und die Unzulässigkeit gerichtlich feststellen zulassen. Die von ihm bedauerten Passagiere hätten es ihm sicher gedankt ... Im Übrigen wurde zwei Jahre(!) lang nach einem akzeptablen Kompromiss gesucht.
    Die eingeforderte "Mindestaufrechterhaltung der kritischen Verkehrsinfrastruktur" ist ja wohl mehr als gegeben. Die Lufthansa ist nicht die einzige Airline und das Flugzeug nicht das einzige Verkehrsmittel, ebenso wenig die Bahn.
    Alles heiße Luft!

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