Lufthansa darf von Schweizern keine allzu schmerzlichen Einschnitte verlangen – vorerst
Übernahme mit Samthandschuhen

Konsolidierungsschritte in Form von Paukenschlägen sind in der Luftfahrt selten: Die Pleiten der belgischen Sabena, der australischen Ansett oder der Swissair im Jahr 2001 gehören in diese Kategorie. Die meisten Einschnitte indes gehen fast geräuschlos über die Bühne wie die kürzlich verkündete Zusammenführung der deutschen Fluglinien DBA und Germania Express (Gexx).

HB FRANKFURT. Die Übernahme der Swiss liegt in der Mitte dieser Bandbreite: Zwar klingt ein Verkauf der Fluglinie nach Deutschland hochgradig spektakulär, weil darüber seit Jahren heiß und kontrovers diskutiert wird. Aus Marktsicht indes dürften sich die direkten Folgen der Transaktion zunächst in Grenzen halten: Branchenbeobachter gehen nicht von einem schnellen Abbau der Überkapazitäten aus.

Die Schweizer werden künftig zwar faktisch von der Lufthansa kontrolliert, sie sollen aber ihre Marke und bis auf weiteres auch den Großteil ihres Langstreckenverkehrs behalten. Zunächst bleibt die Swiss außerdem ein eidgenössisches Unternehmen, um die wertvollen Start- und Landerechte der Schweizer nicht zu gefährden. „Es wird eine Übernahme mit Samthandschuhen“, so formuliert es ein Unternehmensberater aus der Luftfahrtbranche. Um die attraktiven Topkunden in den Business-Hochburgen Zürich und Genf nachhaltig zu gewinnen, dürfe sich die Lufthansa nicht allzu unbeliebt machen und Direktverbindungen auf die Schnelle zusammenstreichen, sagte er.

„Aus Gründen der Gesichtswahrung wird man Swiss die Übernahme zunächst mit einigen netten Angeboten versüßen“, glaubt auch der Schweizer Luftfahrtexperte Sepp Moser. Er befürchtet deshalb, dass sich Lufthansa mit der Swiss „einen Klotz ans Bein bindet“. Die Übernahme werde den Konzern zwar nicht aus der Spur bringen; sie könne aber deutlich teurer werden als geplant, warnt Moser.

In der Tat hat Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber bereits höfliches Entgegenkommen in Richtung Zürich signalisiert. Während Luftfahrtexperten vorrechnen, mehr als die Hälfte der prestigeträchtigen Swiss-Interkontinentalrouten seien defizitär, stellt der Kranich-Konzern Schweizer Medienberichten zufolge zwei weitere Langstreckenjets und „500 neue Arbeitsplätze für Zürich“ in Aussicht. „Der Integrationsvertrag sichert die faire Entwicklung des Drehkreuzes Zürich, die Größe unserer Langstreckenflotte, die Qualitätsmarke Swiss und den Erhalt der Swiss als operative Fluggesellschaft mit Sitz in der Schweiz“, hieß es in der gestrigen Pressemitteilung.

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