Lufthansa EU hat starke Bedenken beim Air-Berlin-Deal

Bei der geplanten Übernahme von großen Teilen von Air Berlin durch die Lufthansa hat EU-Kommissarin Margrethe Vestager starke Wettbewerbsbedenken. Ein Urteil muss bis zum 21. Dezember fallen.
Update: 08.12.2017 - 15:57 Uhr Kommentieren
Lufthansa und Air Berlin: EU-Kommission hat starke Bedenken Quelle: dpa
Lufthansa und Air Berlin

Die EU-Kommission hat starke Wettbewerbsbedenken gegen die geplante Air-Berlin-Übernahme geäußert.

(Foto: dpa)

Brüssel, BerlinTrotz Zugeständnissen der Lufthansa schaut die EU-Kommission mit großer Skepsis auf die Übernahme von Teilen der insolventen Air Berlin. „Wir haben ziemlich starke Wettbewerbsbedenken,“ sagte die zuständige EU-Kommissarin Margrethe Vestager am Freitag in Brüssel. „Es gibt das Risiko, dass Lufthansa auf einigen Strecken faktisch ein Monopol wird, auf einer bedeutenden Zahl von Strecken.“

Wichtig sei, was die Lufthansa für Zugeständnisse anbiete, um kartellrechtliche Zweifel auszuräumen. Lufthansa wollte sich dazu nicht äußern. Die Brüsseler Behörde fällt ihr Urteil spätestens am 21. Dezember. Bis dahin bittet sie die Konkurrenten von Deutschlands größter Fluggesellschaft um ihre Einschätzung.

Bis Montag muss sich die Branche dazu äußern, wie eine Übernahme der österreichischen Niki und der LGW durch die Lufthansa den Konkurrenzkampf beeinflussen könnte. Die Lufthansa hat angeboten, auf bestimmte Start- und Landesrechte (Slots) zu verzichten. „Wir warten jetzt ab, was der Markt sagt“, erklärte Vestager.

Der schnelle Aufstieg und tiefe Fall der Krisen-Airline
1978
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Der US-Pilot Kim Lundgren (links, mit Sohn Shane) gründet die Air Berlin Inc. als Berliner Charterfluggesellschaft mit zwei Flugzeugen.

1979
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Erstflug von Berlin nach Palma de Mallorca.

1991
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Joachim Hunold (Bild) und Kim Lundgren gründen die Air Berlin GmbH.

2003
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Air Berlin steigt auf zur zweitgrößten Fluggesellschaft in Deutschland nach Lufthansa, gemessen an der Passagierzahl.

2004
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Air Berlin steigt bei der österreichischen Fluggesellschaft Niki ein.

2005
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Die GmbH wird in eine Aktiengesellschaft nach britischem Recht (PLC) umgewandelt - in die Air Berlin PLC.

2006
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Air Berlin geht am 11. Mai in Frankfurt an die Börse. Später übernimmt das Unternehmen die deutsche Fluggesellschaft dba.

Mit der Insolvenz von Air Berlin sei ein wichtiger Konkurrent der Lufthansa aus dem Markt verschwunden. Nun sei es langfristig wichtig für Kunden in Deutschland und Österreich, eine Auswahl zu haben. Dazu müssten Unternehmen aber im Wettbewerb stehen, um Ticketpreise niedrig zu halten. „Das Risiko jedes Monopols ist natürlich, dass die Preise steigen.“

„Auftakt zum Basar“

Die EU könnte eine vertiefte Prüfung einleiten, die 90 Tage dauern würde. Im diesem Falle würde Lufthansa aber wohl aus der geplanten Übernahme der Niki aussteigen und auch die aktuelle Zwischenfinanzierung einstellen.

Wenn es dazu käme, müssten die Flugzeuge noch am selben Tag am Boden bleiben, sagte der Air-Berlin-Generalbevollmächtigte Frank Kebekus dem Handelsblatt. Er bereite sich auf die Insolvenz von Niki vor. „Den Antrag dafür habe ich schon vorbereitet, er liegt auf der Fensterbank.“ Dann wären nicht nur weitere 1000 Arbeitsplätze bedroht. „Wir gehen auch davon aus, dass bis zu 60.000 Passagiere täglich betroffen wären und rund 800.000 Tickets wertlos würden“, sagte Kebekus.

Branchenkenner erwarten, dass die EU die Lufthansa mit den Stellungnahmen der Konkurrenz konfrontiert und die Frankfurter dann notfalls weitere Zugeständnisse machen müssten. Derzeit brächten sich alle für weitere Verhandlungen in Position, sagte ein Insider zu den Äußerungen Vestagers vor der Presse in Brüssel. „Das ist der Auftakt zum Basar.“

Vestager hatte Air Berlin nach eigenen Worten frühzeitig darüber informiert, dass ein Zuschlag für die Lufthansa für kartellrechtliche Bedenken sorgen könnte. Die Dänin kritisierte zudem, dass die Transaktion der Lufthansa so strukturiert sei, dass sie für „viel Unsicherheit bei Passagieren und Beschäftigten“ sorge. Lufthansa hat sich mit Air Berlin darauf geeinigt, Niki und LGW für 210 Millionen Euro zu übernehmen.

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