Lufthansa
Flugbegleiter blasen Streik überraschend ab

Ein Spitzengespräch bringt Bewegung in den Tarifstreit: Die Flugbegleiter sagen ihren ab Donnerstag geplanten Streik wieder ab. Die Lufthansa sieht eine „Basis für eine Lösung“ – und lobt die Gewerkschaft UFO.

FrankfurtDie von Streiks gebeutelten Passagiere der Lufthansa können aufatmen. Der für Donnerstag und Freitag geplante Streik der Flugbegleiter ist abgesagt. Management und die Gewerkschaft UFO einigten sich in der Nacht nicht nur auf Eckpunkte für Verhandlungen über die strittige Altersversorgung. Auch sollen die Chancen eines Runden Tisches noch einmal ausgelotet werden, an dem alle Gewerkschaften, neben UFO die Pilotengewerkschaft Cockpit sowie Verdi für das Bodenpersonal teilnehmen und über die künftige Struktur der Airline sprechen.

Die Deeskalation scheint vorerst geglückt. Nachdem der Tarifkonflikt zwischen UFO und dem Lufthansa-Management zuletzt nur noch aus gegenseitigen Vorwürfe und Angriffe bestand, scheinen die Beteiligten nun wieder zu einem Tarifgesprächen angemessenen Verhandlungsstil zurückgefunden zu haben. Vorausgegangen waren lange und intensive Gespräche, die bis zum frühen Mittwochmorgen dauerten und in denen man sich auf ein gemeinsames Papier verständigte, das nun Basis für weitere Gespräche sein soll.

„Wir haben ein Papier finalisiert, in dem Lufthansa die Zwischenmitteilung der Schlichter aus dem Sommer 2015 nun doch als Ausgangsbasis für eine neue Versorgung akzeptiert“, erklärte UFO-Chef Nicoley Baublies am Mittwoch. Das Papier umfasst mehrere wichtige Vereinbarungen. Im eigentlichen Tarifstreit um die Altersversorgung sowie die so genannte Übergangsregelung, die den Vorruhestand ab 55 Jahren betrifft, näherten sich beide Seiten an.

Lufthansa spricht sogar von der „Basis für eine Lösung“. Darüber hinaus wollen beide Seiten über neue Tarifverträge für das Kabinenpersonal jener deutschen Airlines der Lufthansa-Gruppe sprechen, an denen der Konzern die Mehrheit hält.

Auch bei der von UFO immer wieder eingeforderten Wachstumsperspektive für die Lufthansa Kernmarke gibt es Bewegung. Das Lufthansa-Management hatte Lufthansa Classic zuletzt geschrumpft, mehrere Flugzeuge aus der Flotte genommen. Zudem wurde mit einer weiteren Reduzierung des Angebots gedroht, sollte man sich mit den Arbeitnehmervertretern nicht auf Kosteneinsparungen einigen. Im Fokus des Managements liegt derzeit stattdessen der Aufbau der eigenen Billig-Plattform Eurowings.

Nun wollen UFO und Lufthansa die sogenannte „Agenda Kabine“ sowie das „Bündnis für Wachstum und Beschäftigung“ in eine Schlichtung bringen. „In diesem Zusammenhang erkennt Lufthansa positiv an, dass die UFO zu nachhaltigen Senkungen der Bruttopersonalkosten in der Kabine der Passage bereit ist“, heißt es in einer Erklärung des Konzerns.

Gleichzeitig soll der vom Management für den 2. Dezember vorgeschlagene „Job-Gipfel“ mit UFO, der Vereinigung Cockpit (Piloten), der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi (Bodenpersonal) und dem Management vorbereitet werden. Mit allen drei Gewerkschaften liegt die Lufthansa-Spitze beim Thema Altersversorgung im Clinch, alle Arbeitnehmer-Vertretungen beklagen zudem die fehlenden Perspektiven für die Kernmarke Lufthansa. „Wir hoffen nun, dass es möglich wird, alle vier Parteien unter externer Mediation an diesem Tag zusammen zu bringen. Es muss möglich sein, darüber zu sprechen, wie das entstandene Misstrauen abgebaut werden kann“, sagte Birgit Weinreich, Vorstandsmitglied der UFO.

Ob auch die VC beim „Job-Gipfel“ mitzieht, ist derzeit allerdings nicht klar. Zuletzt hatte die Piloten-Vertretung eine Teilnahme abgesagt. Fest steht aber zumindest: Die 19.000 Kabinenmitarbeiter bei Lufthansa Classic werden bis zum 2. Dezember nicht streiken.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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