Lufthansa-Flugschüler unzufrieden
„Die Zukunft liegt wie ein schwarzes Loch vor einem“

Mit bis zu 250.000 Euro Jahresgehalt zählen Angestellte der Lufthansa zu den bestbezahlten Piloten der Welt. Dem Nachwuchs der Fluglinie bringt das wenig – es mangelt an Perspektiven.
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Frankfurt/Main„Die Zukunft liegt wie ein schwarzes Loch vor einem.“ Das sagt nicht etwa ein Schulabbrecher ohne Lehrstelle, sondern ein fast fertiger Pilot, ausgebildet an der Lufthansa-Verkehrsfliegerschule in Bremen. Der größte Luftverkehrskonzern Europas hat in seiner schrumpfenden Flotte derzeit keine Verwendung für den teuer ausgebildeten Nachwuchs, so dass sich unter den knapp 900 Flugschülern in den unterschiedlichen Ausbildungsstufen Frust und Angst um die persönliche Zukunft breit gemacht haben. Inzwischen ist die Situation zu einem offenen Konflikt herangereift, den Lufthansa nun auf Vorstandsebene befrieden will.

Dem Himmel so nah wähnten sich die Flugschüler bereits, als sie überhaupt zu der anspruchsvollen Ausbildung angenommen worden waren. Nur rund 6 Prozent der jährlich an die 7000 Bewerber bestehen den DLR-Härtetest, wo neben technischem und naturwissenschaftlichem Verständnis insbesondere die Teamfähigkeit abgeklopft wird. Nach der strengen Vorauswahl gibt in der Ausbildung kaum noch wer auf oder stellt sich als ungeeignet heraus, so dass der Weg der jungen Flugschüler in der Vergangenheit meist direkt in die Cockpits der Lufthansa-Jets führte. Das dauerte zwar auch meist länger als die versprochenen 29 bis 33 Monate, aber am Ende lockte immer der sichere Traumjob, der innerhalb des Lufthansa-Konzerntarifvertrags (KTV) auch noch sehr gut bezahlt wurde.

„Wir brauchen die jungen Leute eines Tages dringend“, sagt der Lufthansa-Manager und Flugkapitän Stefan Thilo Schmidt, Leiter der Nachwuchsgewinnung bei der Airline. Doch im Moment müsse Lufthansa erstmals in ihrer Geschichte mit den Folgen einer schrumpfenden Flotte zurechtkommen. Gleichzeitig gehen die vorhandenen Piloten später in den Ruhestand, da sie inzwischen bis ins Alter von 65 Jahren fliegen dürfen, statt wie früher bis 60. „Im Moment haben wir keinen Bedarf im Konzerntarifvertrag. (...) Wir haben Schüler aufgenommen für Flieger, die wir derzeit gar nicht haben.“

Ohnehin ist der Konzerntarifvertrag, nach dem noch gut die Hälfte der Piloten im weiten Lufthansa-Reich bezahlt wird, nicht das Segment, das Lufthansa-Chef Carsten Spohr für besonders zukunftsträchtig hält. Jahresgrundgehälter von bis zu 250 000 Euro plus etlicher Zulagen und Pensionszusagen seien nicht mehr konkurrenzfähig, glaubt Spohr und will unter der Dachmarke „Eurowings“ ein konzerneigenes Billigangebot mit deutlich niedrigeren Gehaltstarifen nicht nur für die Piloten etablieren. An diesem Punkt hat sich der erbitterte Tarifstreit mit der Pilotengewerkschaft „Vereinigung Cockpit“ zugespitzt, der bereits zu zwölf Streiks geführt hat und derzeit geschlichtet werden soll.

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