Lufthansa-Hauptversammlung
Aktionäre zanken sich wegen Mayrhuber

Nach dem Wirbel um den zukünftigen Chef des Aufsichtsrats beschäftigen sich die Lufthansa-Aktionäre nicht nur mit Personalien. Die ausbleibende Dividende regt sie auf. Kandidat Mayrhuber halten viele für den Richtigen.
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KölnEinen Tag nach dem turbulenten hin und her um den Posten des Aufsichtsratschefs der Lufthansa machen die Aktionäre auf der Hauptversammlung der Fluggesellschaft in Köln ihrem Ärger Luft. Der ehemalige Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber hatte am Montagmorgen zunächst seine Kandidatur als Chefkontrolleur zurückgezogen. Am Abend folgte dann der Rückzug vom Rückzug: Der Österreicher kandidiert nun doch.

Den Ärger der Aktionäre zog jedoch weniger der noch zu wählende Mayrhuber, als vielmehr ein aktuelles Aufsichtsratsmitglied auf sich: Frank Bsirske. Der Chef der Gewerkschaft Verdi scheidet aus dem Kontrollgremium der Lufthansa aus. Und die Anteilseigner bereiteten ihm auf der Hauptversammlung einen wütenden Abschied. „Wir freuen uns, dass sie gehen“, sagte Hans-Martin Buhlmann von der Vereinigung Institutioneller Privatanleger (VIP).

Der Frust sitzt tief bei den Aktionären. Zu frisch sind die Wunden, die der letzte Tarifstreit zwischen der Lufthansa und Verdi hinterlassen hat. Vor gut zwei Wochen hatte die Gewerkschaft die Flieger vom Himmel geholt und die Kranich-Airline mit einem deutschlandweiten Streik des Bodenpersonals lahmgelegt.

Bereits im März hatte Verdi zum Warnstreik aufgerufen. In der vergangenen Woche hatten sich die Parteien schließlich auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt. Der Streik jedoch macht sich im Ergebnis zum Jahresstart bemerkbar. Dementsprechend warfen die Aktionärsvertreter Bsirske vor, der Lufthansa geschadet zu haben.

Die Causa Mayrhofer brach sich aber doch Bahn. „Wir sind eigentlich fassungslos“, sagte Ingo Speich von Union Investment. „Das wirft bereits jetzt einen Schatten auf ihr zukünftiges Amt“, so der Fondsmanager an Mayrhuber gerichtet. Bereits am Montag hatte er Kritik an der Personalie geäußert. „Die Altlasten der Ära Mayrhuber drücken den Kranich zu Boden“, sagte Speich. Andere Aktionärsvertreter stellten sich jedoch hinter Mayrhuber. „Er ist der Richtige“, sagte VIP-Vertreter Buhlmann.

Aufsichtsratschef Jürgen Weber hatte seinen potenziellen Nachfolger, der als sein Wunschkandidat gilt, zuvor offensiv verteidigt. Die „erhebliche Verwirrung“ um Mayrhuber am Vortag habe man nicht zu verantworten. Er warf den an der Lufthansa beteiligten großen Fonds eine „blinde Corporate-Governance-Auslegung“ vor. Es sei bedauerlich zu beobachten, wie fremde Regeln für gute Unternehmensführung auch hierzulande zugrunde gelegt würden, erklärte Weber.

Der Beratungsservice ISS als Bösewicht

Diese Erklärung für das Verwirrspiel um Mayrhuber hatte die Lufthansa bereits am Montagabend geliefert. „Für das deutsche dualistische System nicht passende Corporate-Governance-Abstimmungsempfehlungen waren die Ursache für zunächst andere Indikationen“, hieß es in einer Pflichtmitteilung für die Börse. Der Vorwurf ging in erster Linie an internationale Großaktionäre. Im Handelsblatt wehrte sich die US-Aktionärsberatung Institutional Shareholder Services (ISS) gegen die Vorhaltung: „Wir erarbeiten Analysen für europäische Unternehmen in Europa und kennen das deutsche dualistische System sehr genau“, sagte Thomas von Oehsen, Researchleiter von ISS für Deutschland und die Niederlande.

Viele internationale institutionelle Anleger orientieren sich an der ISS. Den Aktionärsberater stört vor allem die zweijährige „Abkühlungsphase“, die nach den deutschen Corporate-Governance-Regeln vorgeschrieben ist. Mayrhuber, bis Ende 2010 Lufthansa-Chef, hat die Zeit zwischen Vorstands- und Aufsichtsratstätigkeit eingehalten, doch die ISS empfiehlt eine fünfjährige Abkühlungsphase.

Das soll den Streit um die Weber-Nachfolge verursacht haben. Doch die Empfehlung der ISS, Mayrhofer nicht zu wählen, liegt bereits seit dem 15. April vor. Aber erst am Montag jedoch erklärte der Manager offiziell seinen Entschluss zum Rückzug von der Kandidatur, den er später revidierte. Eine schlüssige Erklärung für den Termin, blieb Weber auf der Hauptversammlung schuldig.

Fondsmanager Speich vom deutschen Großaktionär Union Investment hielt daher an der bereits geäußerten Ablehnung Mayrhubers fest: Der 66-Jährige könne Fehler und Versäumnisse seiner Amtszeit in Zukunft als Aufsichtsratschef nicht neutral beurteilen, wenn diese den Konzern noch heute belasten, sagte Speich. Man verweigere Mayrhuber und Karl-Ludwig Kley die Zustimmung. Merck-Vorstandschef Kley kandidiert als ehemaliger Lufthansa-Finanzvorstand (bis 2006) ebenfalls für den Aufsichtsrat.

Ausbleibende Dividende stört die Aktionäre

Der Union-Investment-Vertreter forderte nochmals einen unabhängigen und unbefangenen Kandidaten. Aktionärsvertreter Ulrich Hocker von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hielt dagegen. Dass der ehemalige Vorstandschef später dem Aufsichtsrat vorsitze, sei bei der Lufthansa üblich. Hocker verwies auf die notwendige Unternehmens- und Branchenkenntnis: „Der Weg von der Unabhängigkeit zur Ahnungslosigkeit ist manchmal kurz“, sagte der DSW-Vertreter.

Mit der Mitsprache der internationalen Investmentfonds müsse die Lufthansa hingegen leben. Die von ISS geforderte fünfjährige „Cooling-off-Periode“ sei jedoch nicht sinnvoll. „Nach fünf Jahren sind die Leute nicht abgekühlt, sondern tiefgekühlt“, sagte Hocker.

Besonders kritisch betrachteten die Aktionäre auf der Hauptversammlung, dass Vorstandschef Christoph Franz den Aktionären keine Dividende zahlen will. Und das trotz eines Gewinns von 990 Millionen Euro im Jahr 2012. Franz hat der Lufthansa einen strengen Sparkurs verschrieben. Im Rahmen des Sparprogramms „Score“, das bis Ende 2014 läuft, werden weltweit 3500 Stellen gestrichen.

Die Kosten des Sparprogramms schlugen sich auch im Ergebnis des ersten Quartals mit 64 Millionen Euro nieder. Insgesamt machte die Airline zum Jahresauftakt operativ einen Verlust von 359 Millionen Euro. Im Rahmen des Sanierungskurses wird der Vorstand ab Juli bis Ende 2014 auf fünf Prozent seiner Grundvergütung verzichten. Das kündigte Franz auf der Hauptversammlung an.

Etwas in den Hintergrund drängte durch die Querelen um Mayrhuber und die angespannte Lage des Unternehmens der Abschied Jürgen Webers. Der 71-Jährige Chefaufseher und langjährige Vorstandschef scheidet nach 46 Jahren aus dem Unternehmen aus und soll nun Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats werden.

Tobias Döring, Redakteur Unternehmen, Handelsblatt Online
Tobias Döring
Handelsblatt / Chef vom Dienst

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  • Die Lufthansa A380-Flotte ist zur Zeit mit der leisesten First-Class der Welt ausgestattet.

  • ...wie wäre es mit Herrn Mehdorn?
    der dürfte ja bald wieder disponibel sein, glaubt man seinen enormen Fortschritten in Sachen BER.

  • ich halte es fuer einen katastrophalen Fehler Herrn Mayrhuber als AR Vorsitzenden zu nominieren. Herr Mayrhuber hat zwar den technischen Aspekt einer rechtzeitigen Flottenerneuerung berechtigt forciert. Diese Technikverliebtheit kann und darf aber nicht mit den eklatanten Versaeumnissen seiner gescheiterten und kostspieligen Beteiligungspolitik (BMI, LH Italia, einer ewig dahinsiechenden AUA, etc.; einem mittelmaessigen Boden- und Kabinenservice; einer Bestuhlung, die nur geaendert wird, wenn die Konkurrenz sie schon seit laengerer Zeit erfolgreich implementiert hat (nie ist LH Avantgarde!!!)und einem Verwaltungsapparat mit Verhaltungsweisen, der eher ans Sozialamt erinnert als an ein pfiffiges Vorzeigeunternehmen, ausgeglichen werden. Es ist ein AR Vorsitzender mit Verve, kreativen Ideen vonnoeten, der operative Herrn Franz im Tandem ergaenzt

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