Lufthansa-Hauptversammlung
Spohr muss „die Zitrone ausquetschen“

Auf der Hauptversammlung verabschiedet sich Christoph Franz von der Lufthansa. Nachfolger Spohr übernimmt und wird von den Aktionären freundlich empfangen. Doch er steht vor schwierigen Entscheidungen.
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HamburgSein großer Tag steht noch bevor. Carsten Spohr tritt sein neues Amt als Vorstandschef der Lufthansa erst übermorgen am 1. Mai an. Auf der Hauptversammlung in Hamburg hat am Dienstag deshalb der Mann seinen letzten Auftritt, den es in die Schweiz zieht: Christoph Franz. Er übergibt Spohr den Staffelstab – und damit einige ungelöste strategische Probleme.

Die europäischen Billigflieger wie Ryanair und Easyjet bleiben stark und werben neuerdings auch um Geschäftsleute, dazu greifen die drei finanzstarken Golf-Airlines Emirates, Etihad und Qatar Airways weiter unvermindert auf der Langstrecke mit Top-Produkten an. Auf diese drängenden Herausforderungen muss Spohr Antworten finden.

In den vergangenen Jahren saß der Pilot und Manager aus Wanne-Eickel auf dem Podium stets nahe bei Franz. Als Vorstand des Lufthansa-Passagiergeschäfts war er dessen wichtigster Begleiter beim Umbau von Deutschlands größter Fluggesellschaft. Jetzt wechselt Franz als Verwaltungsratschef zum Pharmariesen Roche – und Spohr führt das Werk weiter.

Im Gegensatz zu seinem Vorgänger gilt Spohr als Lufthanseat durch und durch. Der 47-Jährige hat Stallgeruch und ist seit 20 Jahren im Unternehmen. Das kommt bei den Aktionären der Airline gut an: Spohr erhält im Hamburger Congress Centrum den ersten Applaus des Tages, als Chefaufseher Wolfgang Mayrhuber auf den Wechsel an der Konzernspitze zu sprechen kommt. Selbst redet Spohr auf der Hauptversammlung nicht, einen Ausblick bleibt er schuldig. „Mir fehlt die pragmatische Antrittsrede“, bemängelt nicht nur Roland Klose von der Aktionärsvereinigung DSW.

Dabei ist schon jetzt klar, was ansteht: Es wird weitergehen wie bisher. „Herr Spohr, Sie sind jetzt Herr Score“, sagt ein Aktionärsvertreter. Das Sparprogramm „Score“ hat die vergangenen Jahre geprägt, davon kann bisher insbesondere die Belegschaft ein Lied singen. Franz und Spohr haben der Lufthansa mit ihren 118.000 Mitarbeitern den größten Umbau der Geschichte verordnet. 3500 Stellen werden im Rahmen von „Score“ abgebaut, das verbleibende Personal muss viele Einschnitte hinnehmen. Im kommenden Jahr soll die Ernte eingefahren werden: Das operative Ergebnis soll auf 2,65 Milliarden Euro steigen.

Dazu muss das wichtigste Projekt, die „neue Germanwings“, reibungslos funktionieren und die geforderten Ergebnisse liefern. Der Europaverkehr abseits der Drehkreuze Frankfurt und München wird Stück für Stück auf die Billigtochter übertragen. „Die Trendwende ist da“, sagte Franz am Dienstag mit Blick auf die Restrukturierung des Konzerns. Doch alles in allem wird es ein schwieriges Unterfangen: 2013 lag der operative Gewinn der Lufthansa bei knapp 700 Millionen Euro, in diesem Jahr werden 1,3 bis 1,5 Milliarden Euro angepeilt – eine Verdopplung.

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