Lufthansa in der Krise
Weit ab vom Kurs

Die Piloten machen der Lufthansa einen Strich durch den Sparplan. Zwar verzeichnet der Konzern im dritten Quartal ein Gewinnplus, doch die Streiks belasten das Ergebnis. Nur gut, dass es der Konkurrenz nicht besser geht.
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DüsseldorfDer Lufthansa kann selbst Andrea Nahles nicht helfen. Das Ansehen der Arbeitsministerin dürfte zwar in der Gunst diverser Konzerne gestiegen sein, bei der Deutschen Bahn etwa. Mit Nahles‘ Ansinnen, die Tarifeinheit wieder gesetzlich festzulegen, könnten Streiks von Spartengewerkschaften wie der Lokführergewerkschaft GDL künftig legal unterbunden werden. Doch was auf der Schiene funktioniert, wird in der Luft wohl scheitern. Für die Lufthansa ist das gleich doppelt bitter.

Immerhin konnte das im Sparmodus befindende Unternehmen am Donnerstag ein deutliches Plus beim Gewinn verbuchen. Der Luftfahrtkonzern steigerte sein operatives Ergebnis zwischen Juli und September um fast 25 Prozent auf 735 Millionen Euro. Der Umsatz stieg leicht von 8,3 auf 8,46 Milliarden Euro. Im Gegensatz zum ersten Halbjahr zeigte sich der Dax-Konzern auf Kurs und bestätigte seine zuvor nach unten korrigierte Gewinnprognose von einer Milliarde Euro für das Gesamtjahr.

Unternehmenschef Carsten Spohr sagte, er sei zuversichtlich, dass man mit der Konzernstrategie erfolgreich sein werde. Um die „langfristige Wettbewerbsfähigkeit“ zu sichern, arbeite die Fluggesellschaft „mit ganzer Kraft an der Umsetzung unseres Arbeitsprogramms“. Doch eine Einschränkung muss die Lufthansa dann doch machen: Nicht enthalten in der Jahresprognose sind mögliche Streiks.

Denn nicht in allen Bereichen lief es so gut für den Konzern – etwa im Geschäftsfeld Passagierbeförderung. Dort verzeichnete die Lufthansa zwischen Januar und September einen Gewinnrückgang von acht Prozent auf 473 Millionen Euro. Dieser Rückgang geht im dritten Quartal auch auf die Kappe der Piloten. Die Streiks des Gewerkschaft Cockpit belasteten das Ergebnis deutlich. Der Konzern bezifferte die Kosten am Donnerstagmorgen auf 170 Millionen Euro. Für 2015 korrigierte der Konzern seine Gewinnprognose vorsorglich schon mal von zwei Milliarden Euro auf „deutlich über Ergebnis 2014“. Als offizielle Begründung dafür nannte er zwar die „allgemein abschwächende gesamtwirtschaftliche Wachstumsprognosen“, doch auch der Arbeitskampf dürfte ein Anlass dafür gewesen sein.

Insgesamt acht Mal legten die Flugzeugführer in diesem Jahr bereits die Arbeit nieder. Experten bezifferten den direkten Schaden für die Lufthansa vor wenigen Tagen lediglich auf etwa 100 Millionen Euro. Indirekte Auswirkungen wie Flüge, die wegen angedrohter Streiks gar nicht erst gebucht wurden, sind darin noch gar nicht enthalten.

Weil die Lufthansa eigentlich sparen muss, sind die Kosten für diesen Streik ohnehin schon ein Problem. Und Besserung ist nicht in Sicht: Auch die neue Tarifeinheit wird der Airline in Verhandlungen mit der Gewerkschaft Cockpit keine Vorteile bringen. Arbeitsministerin Nahles sagte selbst erst vor wenigen Tagen, dass das geplante Gesetz auf den Konflikt bei der Lufthansa voraussichtlich keinen direkten Einfluss haben werde.

Denn das Motto „Ein Betrieb, ein Tarifvertrag“ gilt nur dann, wenn zwei Gewerkschaften dieselbe Berufsgruppe vertreten. Das ist zum Beispiel bei den Lokführern der Fall. Dort beansprucht nicht nur die GDL, die Zugbegleiter zu vertreten, sondern auch die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG. Wenn sich die beiden Arbeitnehmervertretungen nicht auf dieselben Bedingungen für dieselbe Berufsgruppe einigen können, darf künftig nur noch die größte Gewerkschaft verhandeln. In diesem Fall hieße das: Der GDL wären die Hände gebunden.

Bei der Lufthansa ist der Fall anders gelagert. Die Pilotenvereinigung Cockpit tritt nicht in Konkurrenz mit der Gewerkschaft Verdi, die das Bodenpersonal vertritt, oder der Gewerkschaft UFO, die für die Flugbegleiter verhandelt. Sie wird für die Berufsgruppe der Piloten also weiter der wichtigste Ansprechpartner des Dax-Konzerns bleiben.

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