Lufthansa leitet Kostendruck an die Flughäfen weiter
Fluglinien greifen die Gebührenordnung an

Der weltweite Vormarsch der Billigfluggesellschaften löst eine Kettenreaktion aus, von der auch die Flughäfen nicht verschont bleiben. Zwar bringt der Erfolgszug der Billigflieger auch die Passagierzahlen der Flughäfen wieder ins Plus. Das Wachstum bezahlen sie jedoch mit einem Verfall des Gebührenniveaus.

„Die Erlöse pro Passagier liegen bei europäischen Airports mit nennenswertem Billigflieger-Anteil durchschnittlich 50 Prozent niedriger als bei Flughäfen mit Dominanz klassischer Netz-Airlines“, heißt es in einer Studie der Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton. Flughäfen müssten ihr Geschäft deshalb neu ausrichten und die Effizienz ihres Betriebs verbessern.

Zwar bringt der Erfolgszug der Billigflieger auch die Passagierzahlen der Flughäfen wieder ins Plus. Das Wachstum bezahlen sie jedoch mit einem Verfall des Gebührenniveaus, zumal auch etablierte Fluglinien wie Lufthansa auf deutliche Gebührensenkungen drängen. Europas zweitgrößter Flugkonzern hat bereits eine härtere Gangart gegenüber den Airports angekündigt. „Wir werden uns da ändern“, sagte Lufthansa-Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber mit Blick auf Qualität und Service der Flughäfen. Billigfluglinien würden häufig schneller abgefertigt und hätten darüber hinaus geringere Gebühren zu zahlen, kritisierte Mayrhuber. Er werde deshalb „all die Dinge einführen, die die auch machen“. So zahlten Billigflieger teilweise 30 Prozent niedrigere Gebühren als die Lufthansa.

Assistenz erhält Mayrhuber auch von einem Konkurrenten: Der Chef der Fluggesellschaft Air Berlin, Joachim Hunold, wehrt sich ebenfalls öffentlich gegen die zuvorkommende Behandlung der Billigflieger Easyjet und Ryanair an Flughäfen wie Dortmund, Berlin-Schönefeld oder Lübeck: Der Stadt Lübeck warf Hunold beim geplanten Flughafenverkauf an den neuseeländischen Investor Infratil eine Scheinprivatisierung vor: „Wir befürchten, dass mit der Privatisierung weitere Subventionen verbunden sind, beispielsweise dadurch, dass der neue Betreiber das Grundstück zum Nulltarif mieten kann oder gar geschenkt bekommt“, so Hunold. Air Berlin hatte schon Ende 2004 stellvertretend für die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Luftfahrtunternehmen (ADL) eine Klage gegen den Flughafen Lübeck wegen Gewährung unerlaubter Beihilfen an Ryanair eingereicht.

Auch Lufthansa kritisiert, dass Kommunen große Summen investieren, um Billiganbieter auf ihre Regionalflughäfen zu locken. In Lübeck und anderswo würden Gelder für teure Prestigeobjekte verschwendet, die etablierte Flughäfen und Fluglinien gefährden würden, heißt es in einem Lufthansa-Papier. Der Flughafen Lübeck hat seit 2000 seine Fluggastzahlen mit Hilfe von Ryanair auf knapp 600 000 verdreifacht, gleichzeitig aber auch den jährlichen Verlust ausgeweitet. Kritiker vermuten als Grund für die roten Zahlen vor allem Marketingzuschüsse an Ryanair. Der Billigflieger gilt als unangefochtener Kostenführer seiner Branche – auch deshalb, weil er Flughäfen deutlich weniger Gebühren zahlt als andere Fluggesellschaften.

Lufthansa-Chef Mayrhuber kritisierte außerdem, dass die Sicherheitskontrollen an deutschen Flughäfen teilweise 60 Prozent teurer seien als an anderen Terminals. Dies sei nicht länger hinnehmbar. Das Sparprogramm der Lufthansa, das Kostenentlastungen von 1,2 Mrd. Euro bringen soll, schlägt direkt auf die Flughäfen durch: Weil 300 Mill. Euro von den Zulieferern kommen sollen, wird insbesondere bei Fraport gezittert: Das Unternehmen betreibt das für die Lufthansa wichtigste Flughafen-Drehkreuz in Frankfurt und ist damit einer der größten Zulieferer des Konzerns.

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