Lufthansa-Partner verhandelt über Zusammenschluss mit America West – Situation im US-Markt dramatisch
US Airways tut alles, um zu überleben

Die US-Fluggesellschaften US Airways und America West steuern auf einen Zusammenschluss zu, der die lange erwartete Konsolidierung in der nordamerikanischen Luftfahrt beschleunigen könnte.

je/ebe PORTLAND/FRANKFURT. Der Lufthansa-Partner US Airways bestätigte gestern, über eine Fusion mit America West „in fortgeschrittenem Stadium“ zu verhandeln. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats, David Bronner, sagte der Nachrichtenagentur AP: „Wir tun alles, um zu überleben. Wir prüfen eine Reihe von Alternativen.“

US Airways ist die siebtgrößte Fluggesellschaft in Nordamerika, America West die Nummer acht. Die Streckennetze beider Gesellschaften würden sich gut ergänzen: Während US Airways von der Ostküste aus operiert, hat America West sein Standbein im Westen der USA.

Beide Gesellschaften werden an Drehkreuzen wie Philadelphia oder Phoenix vom erfolgreichen Billigflieger Southwest Airlines hart attackiert. Dabei befindet sich America West noch in besserer Verfassung: Das Unternehmen präsentierte gestern einen Quartalsgewinn von 33,6 Mill. Dollar, der allerdings weitgehend auf außerordentlichen Einflüssen beruhte. Ende 2004 verfügte America West noch über rund 300 Mill. Dollar an freien Mitteln, die als Polster für die dramatisch gestiegenen Treibstoffkosten dienen.

Weit schlechter sieht es bei US Airways aus: Das Mitglied im Lufthansa-Bündnis Star Alliance fliegt bereits seit September 2004 unter dem Gläubigerschutz des US-Konkursrechts (Chapter 11). Die Vorlage eines Reorganisationsplans hat US Airways auf Ende April verschoben, um in der Zwischenzeit nach einer weiteren Kapitalinfusion Ausschau zu halten. Im weltgrößten Luftfahrtmarkt USA, in dem selbst die drei Branchenführer American, United und Delta Air Lines seit 2001 viele Milliarden Dollar verbrennen, gilt US Airways als mit Abstand schwächster Wackelkandidat.

Eine Fusion mit America West werten Branchenbeobachter als letzten Strohhalm vor der drohenden Liquidation: Analysten halten es für möglich, dass Großgläubiger wie der Leasing-Gigant GE Capital Services den Zusammenschluss befürworten und nur unter dieser Bedingung bereit sind, US Airways weiteres Kapital zu gewähren.

Die Fusion wäre aber nicht unkritisch, weil US Airways mit der ebenfalls unter Insolvenzrecht fliegenden United Airlines in der Star Alliance kooperiert. Für beide Airlines, die bisher Flugpläne und Flugnummern abstimmen, ist dieses Bündnis als Zubringer von Passagieren lebenswichtig. Analysten verweisen darauf, dass US Airways nach einer Fusion mit America West in Konkurrenz zu United treten würde.

Die Probleme von US Airways und America West sind die gleichen: Die Kosten beider Fluglinien sind zu hoch, um auf Dauer gegen hocheffiziente Billigflieger wie Southwest bestehen zu können.

Bei US Airways kommen operative Schwächen hinzu. Mangels Kontrollen können hier menschliche Irrtümer den Überlebenskampf erschweren: So wurden in der Vorwoche innerhalb weniger Stunden Tausende von Flugtickets zum auf der Website fälschlich angegebenen Preis von 1,86 US-Dollar verkauft. Normalerweise kosten die günstigsten Inlandsflüge der Gesellschaft rund 30 US-Dollar.

Das falsche Angebot für Flüge zwischen verschiedenen Städten im Osten der USA sei am Freitagabend auf die Internet-Seite gestellt worden, bestätigte eine Sprecherin von US Airways. Als die Airline den Fehler am Samstagmorgen entdeckte, seien viele Flüge ausgebucht gewesen. Das Unternehmen beschloss aber nach Angaben der Sprecherin, die Minipreis-Tickets nicht zurückzufordern.

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